ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2003Randomisierte kontrollierte Studie: Radiofrequenz-Thermoablation von Lebermetastasen kolorektaler Karzinome

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Randomisierte kontrollierte Studie: Radiofrequenz-Thermoablation von Lebermetastasen kolorektaler Karzinome

Dtsch Arztebl 2003; 100(41): A-2666 / B-2225 / C-2091

Allgaier, Hans-Peter; Galandi, Daniel; Olschewski, Manfred; Blum, Hubert Erich

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LNSLNS Kolorektale Karzinome (CRC) zählen zu den häufigsten malignen Tumoren in der westlichen Welt und zeigen eine steigende Inzidenz. Lebermetastasen sind in der Regel die erste Lokalisation von Fernmetastasen eines CRC. In den meisten Fällen beschränkt sich die Fernmetastasierung zunächst auf die Leber. Durch die Fortschritte der onkologischen Chirurgie hat sich die Prognose von CRC-Patienten mit Lebermetastasen in den letzten zehn Jahren verbessert, bleibt jedoch weiter unbefriedigend (2,3,5). Die Resektion ist die einzige potenziell kurative Therapie von Lebermetastasen. Mit 5-Jahres-Überlebensraten von 20 bis 40 Prozent nach kompletter Resektion ist die chirurgische Therapie von Lebermetastasen des CRC allgemein akzeptierte Strategie (1-3, 5).
Minimalinvasive thermoablative Verfahren
Etwa 70 Prozent der CRC-Patienten mit Lebermetastasen sind bei Diagnosestellung jedoch inoperabel, sodass für diese Patienten in der Regel nur palliative Kombinationschemotherapien mit 5-Fluorouracil (5-FU) und Folinsäure sowie Oxaliplatin beziehungsweise Irinotecan möglich sind (7, 8). Seit wenigen Jahren besteht ferner die Möglichkeit einer lokal ablativen Therapie von Lebermetastasen (4, 6, 9).
Verschiedene thermoablative Verfahren werden bei der Behandlung von Lebermetastasen eingesetzt: Radiofrequenz-Thermoablation (RFTA), laserinduzierte Thermotherapie (LITT) und Kryotherapie. Alle Verfahren können prinzipiell sowohl perkutan als auch intraoperativ bezie-
hungsweise im Rahmen einer Laparoskopie eingesetzt werden. In der Praxis werden RFTA und LITT perkutan, die Kryotherapie intraoperativ eingesetzt. Der besondere Vorteil der perkutanen Behandlung liegt in der geringen Invasivität und damit geringen Belastung für die Patienten. Sie erfolgt in der Regel in Analgosedierung. In besonderen Situationen (zum Beispiel ungünstige Lokalisation der Metastasen) kann die Behandlung in Intubationsnarkose sinnvoll sein, um eine optimale Platzierung der Thermoelektrode zu gewährleisten.
Die RFTA wird in der Regel unter sonographischer (alternativ computertomographischer) Steuerung durchgeführt und wurde bisher meist zur Therapie primärer Lebertumoren eingesetzt. Erfahrungen mit der RFTA bei der Behandlung von CRC-Lebermetastasen beschränken sich bisher auf kleine unkontrollierte Fallserien (4, 6, 9). Es ist bislang unklar, ob die RFTA von CRC-Lebermetastasen für den Patienten im Hinblick auf klinisch relevante Kriterien (Überlebenszeit, Lebensqualität) einen Vorteil bringt.
Um diese Fragestellung zu untersuchen, führen die Autoren eine randomisierte Studie zum Vergleich von Chemotherapie versus Chemotherapie in Kombination mit perkutaner RFTA zur Behandlung des hepatisch metastasierten CRC durch (Textkasten). Im Rahmen dieser multizentrischen Studie, an der sich etwa zehn Kliniken in Deutschland beteiligen können, sollen 220 Patienten behandelt werden. Für die Studie liegt ein positives Votum der Ethikkomission der Universitätsklinik Freiburg vor. Die Patienten erhalten randomisiert entweder die Standardtherapie, das heißt alleinige Chemotherapie beziehungsweise eine Kombinationsbehandlung mit Chemotherapie und RFTA. Die Chemotherapie wird nach dem so genannten FOLFOX-4-Protokoll (5-FU, Folinsäure, Oxaliplatin) durchgeführt.
Einschlusskriterien sind eine bis fünf CRC-Lebermetastasen mit einem maximalen Durchmesser von 5 cm, die nicht resektabel sind (zum Beispiel Komorbidität, operativ-technische Gründe, Patient lehnt Operation ab). Der Primärtumor muss reseziert worden sein.
Ausschlusskriterien sind unter anderem extrahepatische Tumormanifestationen, Kontraindikationen gegen eine RFTA oder gegen eine zytostatische Therapie.
Primäres Zielkriterium ist die progressionsfreie Überlebenszeit der Patienten. Sekundäre Zielkriterien sind globale Überlebenszeit, Lebensqualität sowie das Erreichen einer sekundär operablen Situation. Die Patientenrekrutierungsphase beträgt zwei Jahre, die Auswertung erfolgt nach drei Jahren beziehungsweise ein Jahr nach Einschluss des letzten Patienten.
Die bisherigen Publikationen einzelner Fälle oder Fallserien hat gezeigt, dass die perkutane RFTA eine sichere und vielversprechende, den Patienten wenig belastende Therapieoption darstellt (4, 6, 9). Die Anwendung der RFTA im Rahmen einer kontrollierten randomisierten Studie ist Voraussetzung für einen weiteren, möglichst schnellen und sicheren Erkenntnisgewinn bezüglich der Effektivität dieses Verfahrens bei der Behandlung von CRC-Lebermetastasen in Bezug auf klinisch relevante Endpunkte. Die CRAFT-Studie wird durch die Firma Sanofi-Synthelabo unterstützt und vom Zentrum für Klinische Studien der Universitätsklinik Freiburg (Direktor: Prof. Dr. med. Herbert Maier-Lenz) koordiniert. Die statistische Beratung und Auswertung erfolgt in enger Kooperation mit der Abteilung für Medizinische Biometrie und Statistik der Universitätsklinik Freiburg (Direktor: Prof. Dr. rer. nat. Martin Schumacher). Bei Interesse bitte mit folgenden Adressen Kontakt aufnehmen:

Priv.-Doz. Dr. med. Hans-Peter Allgaier
HELIOS Klinik Titisee-Neustadt, Innere Abteilung
Jostalstraße 12, 79822 Titisee-Neustadt
E-Mail: hallgaier@titisee.helios-kliniken.de

Andreas Zähringer
Zentrum für Klinische Studien
Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetterstraße 55, 79106 Freiburg
E-Mail: zaehringer@zks.uni-freiburg.de

Manuskript eingereicht: 20. 5. 2003, revidierte Fassung angenommen: 11. 6. 2003

zZitierweise dieses Beitrags:
Dtsch Arztebl 2003; 100: A 2666–2667 [Heft 41]

Literatur
1. Adson MA, van Heerden JA, Adson MH, Wagner JS, Ilstrup DM: Resection of hepatic metastases from colorectal cancer. Arch Surg 1984; 119: 647–651.
2. Blomqvist P, Ekbom A, Nyren O, Krusemo U, Bergstrom R, Adami HO: Survival after colon cancer 1973–1990 in Sweden. Convergence between catchment areas. Ann Surg 1997; 225: 208–216.
3. Cromheecke M, de Jong KP, Hoekstra HJ: Current treatment for colorectal cancer metastatic to the liver. Eur Surg Oncol 1999; 25: 451–463.
4. Curley SA, Izzo F, Delrio P et al.: Radiofrequency ablation of unresectable primary and metastatic hepatic malignancies: results in 123 patients. Ann Surg 1999; 230: 1–8.
5. Gayowski TJ, Iwatsuki S, Madariaga JR et al.: Experience in hepatic resection for metastatic colorectal cancer: analysis of clinical and pathologic risk factors. Surgery 1994; 116: 703–710.
6. Goldberg SN, Gazelle, GS, Compton CC, Mueller PR, Tanabe KK: Treatment of intrahepatic malignancy with radiofrequency ablation. Radiologic-pathologic correlation. Cancer 2000; 88: 2452–2463.
7. Goldberg RM, Morton RF, Sargent DJ et al.: N9741: Oxaliplatin (oxal) or CPT-11 + 5-fluorouracil (5FU)/leucovorin (LV) or oxal + CPT-11 in advanced colorectal cancer (CRC). Initial toxicity and response data from a GI Intergroup study. American Society of Clinical Oncology 2002.
8. Gramont A, Figer A, Seymour M et al.: Leucovorin and fluorouracil with or without oxaliplatin as first-line treatment in advanced colorectal cancer. J Clin Oncol 2000; 18: 2938–2947.
9. Jiao LR, Hansen PD, Havlik R, Mitry RR, Pignatelli M, Habib N: Clinical short-term results of radiofrequency ablation in primary and secondary liver tumors. Am J Surg 1999; 177: 303–306.

Anschrift für die Verfasser:
Priv.-Doz. Dr. med. Hans-Peter Allgaier
HELIOS Klinik Titisee-Neustadt, Innere Abteilung
Jostalstraße 12, 79822 Titisee-Neustadt
E-Mail: hallgaier@titisee.helios-kliniken.de

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