ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2003Hypertonie: „Mehr über Strategien statt Substanzen reden“

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Hypertonie: „Mehr über Strategien statt Substanzen reden“

Dtsch Arztebl 2003; 100(41): A-2673

Vetter, Christine

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LNSLNS Die ALLHAT-Studie (Antihypertensive and Lipid-Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial) hat die kontroverse Diskussion um den Wert der Diuretika zur Hochdruckbehandlung aufleben lassen. Nach Ansicht von Prof. Jürgen Scholze (Berlin) sollte man diese Wirkstoffe dennoch nicht einseitig bevorzugt als Antihypertonika einsetzen. Vielmehr müssten die verfügbaren Klassen an Antihypertensiva entsprechend der individuellen Situation des Patienten ausgewählt werden – mit dem Ziel, den Blutdruck zu senken, den Patienten vor Endorganschäden zu bewahren und die mit der Hypertonie assoziierte Morbidität und Mortalität zu verringern.
Mehrheit der Patienten benötigt Kombinationstherapie
„Wir sollten weniger über einzelne Substanzen, dafür mehr über Strategien reden“, mahnte der Wissenschaftler in Wiesbaden. Zu bedenken sei, dass die Mehrzahl der Hypertoniker eine Kombinationstherapie benötige, wobei neben den Diuretika als Kombinationspartner auch die Calciumantagonisten zu erwägen seien.
Diese haben den Vorteil, die blutdrucksenkende Wirkung stoffwechselneutral zu vermitteln – und stehen damit im Gegensatz zu den Diuretika, die den Lipid- und Kohlenhydratmetabolismus un-günstig beeinflussen.
Wichtig sei es, so betonte Scholze, einen lang wirksamen Calciumantagonisten zu wählen. Als Beispiel nannte er den Wirkstoff Lercanidipin (Carmen®), einen Calciumantagonisten der dritten Generation, der hochlipophil ist und einen hohen Membranverteilungskoeffizienten aufweist. Er wird nur langsam aus der Membran ausgewaschen. Dies sorgt für eine lange Wirkdauer, und zwar unabhängig von der Plasmahalbwertszeit. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Lercanidipin anders als andere Calciumantagonisten keine Aktivierung des Sympathikus bewirkt.
„Calciumantagonisten haben auch den Vorteil, dass sie günstig bei einer isolierten systolischen Hypertonie, also bei erhöhtem Pulsdruck, wirken“, berichtete Prof. Rainer Kolloch (Bielefeld). Ein erhöhter Pulsdruck sei als eigenständiger Risikofaktor bei der Hypertonie anzusehen, was bislang aber noch zu wenig beachtet werde.
Dazu Kolloch: „Wir wissen aus Studien aber sicher, dass es den so genannten Erfordernishochdruck auch bei älteren Menschen nicht gibt.“ Eine Hypertonie sei vielmehr generell mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert; das gelte ganz besonders, wenn lediglich der systolische Blutdruck über die Norm erhöht sei.
Dass Lercanidipin in einer solchen Situation eine gute Therapiealternative darstellt, belege eine zwölfwöchige Studie bei 150 Patienten mit isolierter Hypertonie, die mit 10 mg des Wirkstoffs oder mit 20 mg Nitrendipin behandelt wurden. Dadurch konnte in beiden Gruppen der systolische Blutdruck und damit auch der Pulsdruck gut gesenkt werden, dies war unter beiden Wirkstoffen vergleichbar. Unterschiede ergaben sich aber bei der Verträglichkeit. Dabei zeigten sich nach Angaben von Kolloch deutliche Vorteile des Lercanidipins, das seltener Ödeme oder einen Flush verursachte, Effekte, die für die langfristige Compliance der Patienten von entscheidender Bedeutung seien. Christine Vetter

Pressegespräch „Aktuelle Hypertoniebehandlung in Deutschland – was ist erreicht und was noch zu tun?“ in Wiesbaden im Rahmen des 109. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin 2003, veranstaltet von Berlin-Chemie
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