ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2003Wales/Großbritannien: Den Geistern trotzen

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Wales/Großbritannien: Den Geistern trotzen

Dtsch Arztebl 2003; 100(41): A-2674 / B-2230

Unverzagt, Gesine

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LNSLNS Jedes Haus in Wales hat seine Geschichte und seine Geister.

Langharne Castle erhebt sich eindrucksvoll über den Salzmarschen. Fotos: Gesine Unverzagt
Langharne Castle erhebt sich eindrucksvoll über den Salzmarschen. Fotos: Gesine Unverzagt
Der Wallfahrtsort für Literaturliebhaber: das „Bootshaus“ des walisischen Dichters Dylan Thomas bei Laughharne
Der Wallfahrtsort für Literaturliebhaber: das „Bootshaus“ des walisischen Dichters Dylan Thomas bei Laughharne
Der walisische Dichter Dylan Thomas, 1914 in Swansea geboren, lebte im „Bootshaus“ in dem kleinen Dorf Laughharne. Das Holzhaus, an einem Hang mit Blick aufs Meer gelegen, ist heute ein Museum und Pilgerstätte der zahlreichen Fans des wortgewaltigen Dichters. Die Bewunderung für die Ikone der frühen Popkultur war so groß, dass ein gewisser Robert Zimmermann den Künstlernamen Bob Dylan annahm.
Die Waliser waren schon immer besonders – mit einem Hang zum Nonkonformismus wie auch die Schauspieler Richard Burton oder Anthony Hopkins. Im Llangloffan Farmhouse lebt ein weiterer Individualist, Leon Downey. „Als ich damals auf der Höhe meiner Karriere das Hallé-Orchester verließ, wo ich viele Jahre Bratsche gespielt hatte, dachten alle, ich sei verrückt. Als ich dann anfing, die Käserei aufzubauen, war man fassungslos“, erzählt Leon. Heute ist sein Käse für die gute Qualität bekannt. So sehr, dass Leon und seine Frau Joan,
die den Verkaufsladen führt, hohen Besuch bekamen. Per Hubschrauber flog Prinz Charles ein, um Farm und Käserei kennen zu lernen.
Die Menschen in Wales sind geprägt von der Natur und der Kultur, die hier eine Symbiose bilden. Es ist eine von Geschichte durchdrungene Landschaft mit grünen Tälern, mittelalterlichen Ruinen, Burgen, Dörfern mit keltischer Vergangenheit und Puppenstuben-Ortschaften. Auf den Wiesen grasen zahlreiche Schafe. Bei drei Millionen Walisern soll es 12 Millionen Schafe geben.
Tenby, umgeben von Sandstränden, ist ein Seebad mit Geschichte. In der Bucht thront auf einem Felssporn die Burgruine. Vorgelagert liegt St. Catherine’s Island mit einem Fort aus der Zeit Napoleons. Pastellfarbene Häuser umrahmen den Hafen mit seinen Fischer- und Segelbooten. Hier werden nicht nur Fische verladen, sondern es wird auch Tee getrunken, denn den besten Tee des Ortes gibt es hier bei den Fischern in einer einfachen Bude. Die Altstadt des Ferienortes mit dem südländischen Flair ist von einer dicken Stadtmauer umschlossen. Zahlreiche Touristen schlendern durch die Geschäfte, sitzen in Cafés und Restaurants. Aus den Pubs dröhnt laute Musik und fröhliches Gelächter.
Coast Path
Interessant ist eine Wanderung auf dem Pembrokeshire Coast Path, einem 270 Kilometer langen naturgeschützten Klippenpfad entlang dem wild zerklüfteten Küstenstreifen, die Robben und Seevögeln ihren Lebensraum geben. Besonders eindrucksvoll ist der „Path“ zwischen Stackpole und St. Govan’s Head wegen der Natur mit seinen Vögeln. Dort schäumt und brodelt das Meer in Höhlen und nagt an der Küste aus Sand- und Kalkstein. Eine kleine Kapelle auf einem Felsen trotzt seit dem 13. Jahrhundert den Naturgewalten.
Pembroke ist eine kleine Stadt mit engen Altstadtgassen, die überragt wird von Pembroke Castle, auf einem Kalkfelsen über dem Fluss gelegen. Die Burg ist eine der mächtigsten Burgen von
Wales. Sie war die Geburtsstätte des späteren Königs von England, Henry VII, des Begründers der Tudordynastie.
Als „most pleasant spot in Wales“ wird das Manorbier Castle genannt. Die Burg, efeubewachsen und am Meer gelegen, wurde zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert erbaut. Ein anderer geschichtsträchtiger Ort ist St. David’s, mit seinen 1 600 Einwohnern die kleinste Kathedralenstadt Großbritanniens. Ungewöhnlich ist, dass das sakrale Gebäude in ein Tal gebaut wurde statt auf eine Anhöhe. Die Kathedrale, im Mittelalter ein wichtiges Pilgerziel, ist dem Schutzheiligen von Wales gewidmet.
Am Abend regnet es in Strömen, was nicht daran hindert, an einer Geistertour durch Tenby teilzunehmen. Jedes Haus in Wales hat seine Geschichte und seine Geister. Es sind unheimliche Geschichten von Tod und Teufel, von Verstorbenen, die als Geister durch die Straßen und Häuser irren. Am besten ist es, man begegnet den Geistern auf walisische Art: Man kehrt ein in einen der übervollen Pubs, um bei viel Bier gemeinsam und lauthals den Geistern zu trotzen. Gesine Unverzagt

Informationen: Wales Tourist Board, Brunel House, 2 Fittzalan Road, Cardiff CF24 OUY, Telefon: +44(0)29 20 49-99 09, Fax: +44(0)29 20 48-50 31; www.visitwales.com
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