ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2003Börsebius zu Aktien: Weiche Knie

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Aktien: Weiche Knie

Dtsch Arztebl 2003; 100(41): [52]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS So schnell kann es gehen. Keine vier Wochen ist es her, dass ich die Gefahr eines Rückschlages im DAX als sehr real eingeschätzt habe (DÄ, Heft 38/2003). Von seinem Hoch von 3 640 Indexpunkten purzelte das Kursbarometer in nur wenigen Tagen auf einen Indexstand von 3 200 und hinterließ mal wieder jede Menge frustrierter Börsianer, die an ein Fortdauern der schönen Hausse geglaubt hatten.
Die Gründe für den mehr als zehnprozentigen Verlust sind schnell ausgemacht. Einer ist so banal, dass er der Erwähnung nur deswegen bedarf, weil mit schöner Regelmäßigkeit jede Menge Leute darauf hereinfallen. Wenn die Kurse steigen, fassen etliche Bankberater Mut und empfehlen ihren Kunden genau die Aktien, an die sie sich Wochen zuvor nicht getraut haben.
Die Pleite folgt meist auf dem Fuße. Einen Wert nur deswegen attraktiv zu finden, weil er eine Weile lang bei steigenden Umsätzen gestiegen ist, bedeutet bloß, dass andere vorher viel schlauer waren. Daraus ein Kaufargument zu basteln, worauf besonders Chartanhänger als Apostel der Trendverlängerung hereinfallen, ist ein besonderes Merkstück der Saga „Wie schaffe ich es, an der Börse immer schief zu liegen?“.
Außerdem kommen solche Gegenbewegungen wie die eben erlebte, nicht aus heiterem Himmel, zumindest nicht, wenn sich gesunder Menschenverstand und ökonomische Vernunft die Hand reichen. Wenn die (zu stark gestiegenen) Börsenkurse in der Realwirtschaft Unternehmensgewinne abbilden, die von den Firmen selbst in den nächsten ein, zwei Jahren gar nicht erwirtschaftet werden können, dann ist per se größte Vorsicht geboten. Überraschende gesamtwirtschaftliche Meldungen wie etwa eine Drosselung der Ölförderung oder das Überschießen einer Währung führen zusätzlich zu Fieberattacken an den Finanzmärkten. Wer sich dieser Phänomene bewusst ist, kann dann auch nicht auf dem falschen Fuße erwischt werden. Wen nimmt es denn wunder, dass an solchen schwachen Börsentagen genau die Werte unter die Räder kommen, die gemeinhin als „Konjunkturzykliker“ angesehen werden? ThyssenKrupp etwa dürfen hier als Paradebeispiel fungieren. Vor einem Monat kostete die Aktie noch knapp 14 Euro, heute sind es satte 17 Prozent weniger. Das Düsseldorfer Technologie- und Stahlunternehmen gehört eben in einer Aufschwungphase zu den Papieren mit den größten Zuwächsen, und das gilt vice versa ebenso, wenn die Börsianer wie jetzt weiche Knie bekommen.
Auch bei SGL Carbon lässt sich diese Regel ganz gut anwenden. Der Automobilzulieferer hat sogar einen noch größeren Kursabschlag hinnehmen müssen, auch, weil gerüchteweise von einer Gewinnwarnung die Rede ist.
In der Untertreibung nach unten stecken auch wieder Chancen. Wer heute auf die größten Verlierer setzt (ThyssenKrupp, SGL Carbon) und mutig kauft, kann durchaus in Bälde frohlocken.
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