ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2003Arteria carotis interna – Zwischenbilanz: Stent oder Operation

AKTUELL: Akut

Arteria carotis interna – Zwischenbilanz: Stent oder Operation

Theiss, Wolfram

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LNSLNS Etwa 20 Prozent der Schlaganfälle sind durch Verengungen und Verschlüsse im extrakraniellen Bereich der großen hirnversorgenden Halsschlagadern verursacht, vor allem im Bereich der Arteria carotis interna. Durch vorbeugende Beseitigung dieser Verengungen lässt sich der größere Teil dieser Schlaganfälle verhüten: Die Karotis-Thrombendarteriektomie zählt inzwischen zu einer der am häufigsten durchgeführten Operationen (in Deutschland circa 15 000 Eingriffe pro Jahr) und galt bis vor kurzem als Standardverfahren zur vorbeugenden Beseitigung von Karotisstenosen. Seit einiger Zeit wird in spezialisierten Zentren in zunehmendem Maße die Sanierung von Karotisstenosen durch Katheterbehandlung (Karotis-PTA) durchgeführt, die beinahe standardmäßig mit einer Stentimplantation kombiniert wird, um das Risiko zerebraler Embolien zu minimieren.Weltweit liegt inzwischen eine dokumentierte Erfahrung über PTA mit Stentimplantation im Bereich der Karotis an über 10 000 Patienten vor.

Nach den bislang verfügbaren Daten ist der Eingriff technisch in über 98 Prozent der Patienten erfolgreich; tödliche Komplikationen treten bei weniger als ein Prozent der Eingriffe auf, und bleibende neurologische Schäden werden bei 2 bis 3 Prozent der Patienten beschrieben. Dem entsprechen auch die Daten eines 1999 von der Deutschen Gesellschaft für Angiologie gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Radiologie als Qualitätssicherungsmaßnahme eingeführten Registers, in dem von 38 teilnehmenden Zentren bis zum 30. Juni 2003 circa 3 400 Karotisangioplastien gemeldet und ausgewertet wurden.
Damit weist die Karotis-PTA mit Stentimplantation – zumindest bislang – gleich gute Resultate auf wie die Operation. Inwieweit diese Annahme weiter zutrifft, ist Gegenstand lebhafter Diskussion zwischen Operateuren und Interventionalisten, da die wenigen vorliegenden randomisierten Vergleichsstudien relativ kleine Patientenzahlen betrafen und uneinheitliche Ergebnisse zeitigten. Eine endgültige Klärung des relativen Wertes der beiden Behandlungsverfahren ist erst von den vier weltweit laufenden großen randomisierten Studien zu erwarten, die Operation und Ballonbehandlung vergleichen (Deutschland: SPACE; England/ Europa: ICSS; USA: CREST; Frankreich: EVA–3S). Mit einer derzeitigen Zuwachsrate von circa 1 000 Eingriffen pro Jahr wird das Register bald eine detaillierte Untergruppenanalyse bezüglich technischer Varianten und besonderer Risikogruppen zulassen. Prof. Dr. med. Wolfram Theiss
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