ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2003Ökonomie: Eindeutige Antworten von der Politik vonnöten

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Ökonomie: Eindeutige Antworten von der Politik vonnöten

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): A-2712 / B-2266 / C-2126

Passon, Rainer

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LNSLNS . . . Zwar weist Herr Schlander schon in seinen einleitenden Worten darauf hin, dass marktwirtschaftliche Instrumente im Gesundheitswesen nicht zwangsläufig Effizienzgewinne mit sich bringen, im Gesundheitswesen Marktmechanismen nicht funktionieren und die bekannten Allokationsprobleme nicht ausschließlich auf der Grundlage der Kosteneffektivität zu lösen sind; zu den entsprechenden Ursachen findet sich jedoch außer einem Hinweis auf „gerechtigkeitsethische Fragen, welche den Bezugsrahmen des medizinischen Handlungsutilitarismus sprengen“ nichts.
Der Grund für das Versagen der üblichen Marktmechanismen liegt doch eindeutig darin, dass es eine „Logik der Kosteneffektivität“ so lange nicht geben kann, als man politischerseits lediglich vage, aber umso wählerfreundlichere Hinweise oder Vorgaben betreffend „Rationalisierungsreserven“ und „Budgets“ gebetsmühlenartig wiederholt, aber keinerlei eindeutige Aussagen darüber gemacht werden, was denn nun eine bestimmte Behandlung kosten darf oder welche Qualität/welches Ziel die Behandlung einer bestimmten Erkrankung, unabhängig von den Kosten, haben muss/darf. Auch wenn die Unsinnigkeit des Postulats mit dem niedrigstmöglichen Aufwand den höchstmöglichen Nutzen erzielen zu wollen (Minimax-Prinzip) Studierenden der Wirtschaftswisssenschaften in den ersten Stunden ihrer Ausbildung erläutert wird, ist die Annahme der tatsächlichen Umsetzbarkeit dieses Postulats offensichtlich immer noch politisches Allgemeingut.
Ohne eine feste Vorgabe in der einen (Kosten) oder anderen (Nutzen) Richtung besteht die Gefahr, dass wissenschaftliche Rechen- und Bewertungsmodelle je nach Bedarf bzw. Parteizugehörigkeit oder momentaner politischer Situation (bevorstehende Wahlen) für politische Zwecke instrumentalisiert und zur Begründung vermeintlich exakt mathematisch begründeter Postulate, etwa in der Art, es wird zuviel geröntgt bzw. es werden zuwenig Mammographien (Vorsorge) gemacht, benutzt werden.
Auch wenn die Art und Weise der neulich in die Medien lancierten Thematisierung der Alternative „Hüftgelenk oder Krücke“ reichlich geschmacklos war, wurde damit die Kernfrage der Gesundheitspolitik angeschnitten: Was kann/darf bei knappen Mitteln unter welchen Prämissen aus dem Topf der Solidargemeinschaft bezahlt werden und was nicht?
Erst wenn diese Frage eindeutig von der Politik beanwortet ist, kann anschließend mit medizinisch/ökonomischen Modellen auch eine logische, d. h. objektive und nachvollziehbare Kostenrechnung entwickelt und implementiert werden . . .
Dipl.-Kfm. Dr. med. Rainer Passon, Eichelbergstraße 10, 68163 Mannheim
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