ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2003Allergie: Systemerkrankung mit vielen Manifestationen

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Allergie: Systemerkrankung mit vielen Manifestationen

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): A-2744

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Die Häufigkeit allergischer Erkrankungen nimmt seit Jahren zu: Inzwischen leidet schätzungsweise jeder fünfte Bundesbürger zumindest zeitweise an den Folgen einer allergischen Sensibilisierung. Allergologen, wie der Berliner Pädiater Prof. Ulrich Wahn von der Charité, sprechen in diesem Zusammenhang bereits von einer Systemerkrankung. „Allergische Rhinokonjunktivitis, Asthma, atopische Dermatitis und Nahrungsmittelallergien sind nicht von einander getrennte Erkrankungen, sondern Ausdruck einer allergischen Systemerkrankung, die sich an unterschiedlichen Organen manifestiert“, sagte Wahn in Bad Reichenhall.
Nach neueren Studien entwickelte etwa ein Drittel der Patienten mit einer saisonalen allergischen Rhinitis innerhalb von zwei Jahren ein Asthma, berichtete Wahn. Umgekehrt leiden 80 Prozent der Patienten mit Asthma unter einer allergischen Rhinitis. Ursache sei vermutlich ein gemeinsamer Entzündungsprozess der oberen und unteren Atemwege.
Vor diesem Hintergrund hat eine internationale Expertengruppe, die sich in der Initiative „Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma“ zusammengefunden hat, gemeinsam mit der Welt­gesund­heits­organi­sation einen Leitfaden für Fachärzte und Allgemeinärzte entwickelt, in dem empfohlen wird, bei Patienten mit Asthma auch auf eine allergische Rhinitis zu untersuchen. Umgekehrt sollte bei Patienten mit einer allergischen Rhinitis auch nach einem Asthma gefahndet werden.
Die Behandlung von Patienten mit Asthma weist hierzulande nach Aussage des Bad Reichenhaller Allergologen Prof. Wolfgang Petro hinsichtlich der antientzündlichen Therapie noch erhebliche
Lücken auf. Zwar hätten sich in der bronchospasmolytischen Therapie neben den kurz wirksamen inzwischen auch die lang wirksamen Beta-2-Adrenergika etabliert. Für eine wirksame Kontrolle des Asthma bronchiale sei jedoch vor allem auch eine konsequente antiinflammatorische Therapie unbedingt erforderlich, betonte Petro. Deshalb hätten die inhalativen Steroide in den Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga auch einen besonders hohen Stellenwert.
Allerdings spielten im Prozess der asthmatischen Entzündung auch die Leukotriene eine wichtige Rolle, sagte Petro und fügte hinzu: „Cortison hat eine Leukotrienlücke.“ Der Leukotrien-Rezeptorantagonist Montelukast (Singulair®) sei deshalb eine wichtige Ergänzung für die antientzündliche Behandlung von Patienten mit leichtem bis mittelgradigem Asthma. Wichtig sei, die allergische Rhinitis von Anfang an richtig zu behandeln.
Montelukast könne entweder als Monotherapie beim Belastungsasthma oder als Kombinationstherapie zusammen mit einem inhalativen Steroid gegeben werden. Die Kombinationstherapie zeichne sich gegenüber einer alleinigen hoch dosierten Steroidtherapie durch einen schnellen Wirkeintritt bei vergleichbarer Wirksamkeit aus. Jürgen Stoschek

Pressekonferenz „Asthmakarriere – Schicksal oder Herausforderung?“ in Bad Reichenhall, Veranstalter: MSD
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