ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2003Kanada: Raue Natur und friedliche Killerwale

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Kanada: Raue Natur und friedliche Killerwale

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): A-2746 / B-2290

Langenberg, Susanne

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Fotos: Susanne Langenberg
Fotos: Susanne Langenberg
Vor der Küste Vancouver Islands wird eine Whale Watching Tour zum Erlebnis.
Die Laute, die über das Hydrophon an Bord der „Lukwa“ aus den Tiefen des Meeres dringen, klingen fremd. Ein singendes hohes Pfeifen, vermischt mit Zisch- und Klicklauten, ist erst nur ganz entfernt zu hören, nähert sich und umgibt dann das ganze Boot. Lebhaft wirkt sie, die Unterwasser-Sprache der Orcas. Plötzlich durchschneiden zwei riesige glänzend schwarze Rückenflossen nicht weit vom Boot entfernt das Wasser. Die Wale tauchen kurz auf, prusten beim Ausatmen Wasserfontänen über die Wasseroberfläche und gleiten elegant wieder in das Wasser zurück.
In der Johnstone Strait, einer Wasserstraße im Norden von Vancouver Island, ist eines der besten Gebiete, um Schwertwale (auch Orcas oder Killerwale genannt) zu beobachten. Auf der Jagd nach Lachs kommen jedes Jahr von Ende Juni bis Mitte Oktober 16 Schwertwalgemeinschaften mit mehr als 200 Tieren in die John-
stone Strait. In keinem anderen Walgebiet schwimmen die Wale so nah an die Küste heran. Ausgangsort für Waltouren in die Johnstone Strait ist Telegraph Cove im Norden der Insel. Während der vierstündigen Fahrten sind neben Orcas auch Delphine, Seelöwen, Robben, Zwerg- und Buckelwale zu beobachten.
Die Schwertwalgemeinschaften vor Vancouver Island zählen zu den am besten erforschten Walen. Akustische Analysen der Orca-Kommunikation werden von der Walforschungsstation Orcalab durchgeführt. Die Tiere einer Gemeinschaft kommunizieren in einem „Dialekt“ miteinander, der sich von dem anderer Gemeinschaften unterscheidet. Nahezu jedes der Tiere kann von Wissenschaftlern mit den charakteristischen Merkmalen der Rückenflosse identifiziert werden. Die Bestände der Schwertwale sind bedroht. Die Fangaktivitäten Mitte der 1960er-Jahre bis Anfang der 70er-Jahre haben die Population sehr reduziert. Heute bedrohen Umweltgifte und schwindende Nahrungsgrundlagen die Wale.
Unter Federführung der Whale and Dolphin Conservation Society wurde eine Kooperation von Tourismusverbänden, Wissenschaftlern und Tierschutzorganisationen gegründet, um den Schutz der Schwertwale in kanadischen Gewässern zu verbessern. Die Walbeobachtung spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Forschung und bietet den Anwohnern der Küste eine ökonomische Alternative zur Jagd auf Wale und Delphine. Andererseits kann sich unkontrolliertes „Whale Watching“ aber auch negativ auf die Meeressäuger auswirken. Dieser Herausforderung will sich die Kooperation in den nächsten Jahren annehmen.
Neben der Beobachtung von Walen bietet Vancouver Island auch landschaftliche Schönheiten, wie zum Beispiel Gebirgszüge im Zentrum der Insel, Regenwälder, glasklare Seen, Sandstrände und felsige Steilküsten. So gibt es Möglichkeiten für Freunde von Outdoor-Aktivitäten: Wanderungen, Kajaktouren, Tau-chen und Rafting. Der Lachsreichtum lockt Angler aus aller Welt. Wanderer können
auf Bären, Pumas oder Wölfe stoßen. In den Monaten März und April können vor allem an der Westküste auch Grauwale beobachtet werden.
Vancouver Island ist der Westküste Kanadas vorgelagert und mit einer Gesamtlänge von 450 km und einer Fläche von 31 285 km2 die größte Insel der amerikanischen Westküste. Der Japanstrom vor der Küste sorgt für ein gemäßigtes Klima, sodass im Süden von Vancouver Island sogar Weinanbau möglich ist. Ihren Namen erhielt die Insel von George Vancouver, einem Weggefährten des Entdeckers James Cook, der die Insel 1792 umsegelte. 1849 wurde die Insel britische Kronkolonie und 1866 Teil von British Columbia.
Das beschauliche Victoria an der Südspitze ist auch die Hauptstadt der kanadischen Provinz. Die Stadt mit britischer Atmosphäre lädt zum Bummel durch die vielen kleinen Geschäfte ein. Einen Besuch lohnt das Royal British Columbia Museum in Victoria. Natur- und Kulturgeschichte der Provinz werden anschaulich präsentiert.
Einen Einblick in die vielfältige Kultur der Indianer, bietet das Kulturzentrum des Stammes der Quw’utsun’ in Duncan, der „Stadt der Totempfähle“. Ein Abstecher in den Westen der Insel wird belohnt mit viel ursprünglicher Natur im Pacific Rim National Park. Susanne Langenberg

Anreise: Von Vancouver und Seattle gibt es regelmäßige Flüge nach Victoria. Es bestehen auch Fährverbindungen mit BC Ferries; http://www.bcferries.ca
Informationen: www.islands. bc.ca; speziell zum Thema Wale: www.wale.org, www.wdcs-de.org; www.orcalab.org; www.orca-live.net
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