ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1996Telekommunikation: Nicht allein Telekom

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Telekommunikation: Nicht allein Telekom

Dtsch Arztebl 1996; 93(46): A-3033 / B-2349 / C-2243

Kolbinger, André

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LNSLNS Merkwürdiges tut sich momentan in der deutschen "Aktienkultur". Wurde man als Anleger vor einem Jahr noch von den meisten Kreditinstituten bewegt, sein Geld in Pfandbriefe oder Anleihen, eventuell sogar in einen Aktienfonds anzulegen, so steht man heute vor einer völlig veränderten Situation. Nach Ansicht der meisten Banken eignet sich gerade die T-Aktie für nahezu jeden Anlegertyp, sogar für den konservativen. Auffallend ist vor allem, daß Kreditinstitute, die seit Jahren den Anlegern ausdrücklich keine Aktien zum Kauf empfehlen und somit vielen riskiobereiteren Anlegern enorme Gewinnchancen vorenthielten, sich bei der Emission der Telekom besonders aktiv zeigen.
Für Anleger, die sich in der T-Aktie engagieren, gibt es primär eine entscheidende Frage zu klären. Will man einen Spekulationsgewinn von einigen Prozenten in wenigen Tagen oder Wochen erzielen oder sich die Aktien als langfristige Anlage, gewissermaßen als Altersvorsorge, ins Depot legen? Für die erstere Kategorie sind nahezu alle fundamentalen Daten der Telekom zweitrangig. Es stellt sich einzig und allein die Frage: Wie hoch ist die Emission überzeichnet, und zu welchem Kurs sind vor allem die Fonds und ausländischen institutionellen Anleger bereit, die Aktien über die Börse nachzukaufen? Ein anfänglicher Kursanstieg gegenüber dem DAX ist relativ wahrscheinlich, da zusätzlich von verschiedenen Seiten Kurs-pflege betrieben werden dürfte.
Für den strategisch denkenden, also langfristig orientierten Anleger kommt es vor allem darauf an, die Wachstumsaussichten der gesamten Telekommunikationsbranche zu analysieren und dann einzuschätzen, welche Position die Telekom in dieser Branche in den nächsten zehn Jahren einnehmen wird. Interessenten können beim Autor dazu eine Informationsschrift anfordern. Momentan zweifelt sicherlich niemand daran, daß die Telekommunikation in den nächsten Jahren zu einem der dynamischsten Wachstumsmärkte zählen wird. Die größten Zuwachsraten werden hier vor allem in den Emerging Markets und den USA erwartet.
Für Anleger der Telekom stellen sich zwei Fragen:
1. Bleibt die bisherige Rentabilität erhalten, wenn 1998 die Märkte geöffnet werden und das Preisgefüge ins Wanken kommt?
2. Schafft es die Telekom, sich bei Umsatz und Gewinn mindestens genauso gut zu entwickeln wie der Branchendurchschnitt?
Betrachtet man die kürzlich veröffentlichten Zahlen, so macht sich zunächst Ernüchterung breit. Die enormen Umsatzsteigerungen der Telekommunikationsbranche, vor allem in den USA und den Emerging Markets, lassen sich bei der Telekom nicht finden.

Im internationalen Vergleich . . .
Auch die Nettoumsatzrenditen der letzten Jahre sind mit denen vieler, vor allem kleinerer Unternehmen in den USA und Asien nicht vergleichbar. Allein der Schuldendienst verschlingt jährlich sieben Milliarden DM und wird damit das Ergebnis noch auf Jahre hinaus belasten. Momentan ist es aufgrund des sehr hohen Cash-flows kein Problem, eine Verringerung der Schuldenbelastung vorzunehmen. Der hohe Cashflow beruht aber zum großen Teil auf der bisherigen Gebührstruktur. Diese wird sich ab 1998 dramatisch verändern. Mit 188 Telefonanschlüssen pro Mitarbeiter rangiert die Telekom zudem am unteren Ende im internationalen Vergleich. Auch der vorgesehene Abbau von Arbeitsplätzen wird daran wenig ändern, da in Zukunft Verluste von Markt-anteilen zu erwarten sind. Die bisherige Monopolstellung mit allen ihren Vorteilen und Bequemlichkeiten bleibt mit Sicherheit nicht erhalten. Im übrigen halte ich die bereits als überdurchschnittlich angekündigte Dividende nicht für geraten. Besonders wachstumsstarke US-Unternehmen wie etwa Microsoft und Intel zahlen keine beziehungsweise eine sehr geringe Dividende. Statt dessen wird das Geld in Forschung und Entwicklung sowie in die globale Expansion investiert. Das beeindruckende Wachstum dieser Unternehmen spricht für sich. Die Aktionäre profitieren aufgrund der überdurchschnittlich steigenden Aktienkurse wesentlich stärker als an einer drei- bis vierprozentigen jährlichen Dividende. Für die Telekom spricht vor allem das fortschrittliche Know-how, das man sich beim Aufbau der Netze in Ostdeutschland erworben hat. Inwieweit es der Telekom gelingt, dieses gewinnbringend auf die Märkte in Osteuropa und Asien zu übertragen, bleibt abzuwarten.
Tatsache ist jedoch, daß es im Bereich der Telekommunikation eine Vielzahl hochrentabler und wesentlich geringer verschuldeter Unternehmen gibt, die über eine beeindruckende Gewinn- und Umsatzdynamik verfügen. Nettoumsatzrenditen von 20 Prozent sind hier keine Seltenheit. Für viele dieser Unternehmen ist das Wachstumspotential gleichzeitig wesentlich höher als das der Deutschen Telekom.
Der langfristig orientierte Anleger sollte sich nicht davon abhalten lassen, Anteile der Telekom zu zeichnen. Klüger ist jedoch, wer auf mehrere Werte dieser Branche setzt. Empfehlenswert sind dabei auch Aktien aus den USA und Asien. Bemerkenswerterweise finden sich in den USA nahezu alle wirklich bedeutenden Unternehmen der verschiedenen Wachstumsbranchen. Stellvertretend seien hier nur Unternehmen wie Microsoft, Intel, Oracle, Amgen, Coca Cola, Wal Mart oder Mc Donald’s genannt.
Auch sollte sich der Anleger überlegen, inwieweit er sein Kapital auf verschiedene Wachstumsbranchen verteilen kann. Entsprechende Möglichkeiten bieten sich dabei zusätzlich in der Softwareindustrie sowie in der Bio- und Gentechnologie.


André Kolbinger
c/o New York Broker
Deutschland AG
Graf-Adolf-Straße 12
40212 Düsseldorf

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