ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2003Lebensversicherung I: Im Trend – Handel mit „gebrauchten“ Policen

Versicherungen

Lebensversicherung I: Im Trend – Handel mit „gebrauchten“ Policen

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): [71]

Combach, Rolf

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LNSLNS „Gebrauchte“ Lebensversicherungen sind seit gut einem Jahr „in“. Die nach dem Sparbuch „langweiligste“ Anlageform scheint so attraktiv wie nie – obwohl die Branche durch den ersten Zusammenbruch eines Lebensversicherers verunsichert wird. Hinzu kommt, dass die Reduzierung des Garantiezinses zum 1. Januar 2004 beschlossen ist.
Rund die Hälfte der etwa 90 Millionen Lebensversicherungs-Verträge werden nach einer Studie des Instituts von Allensbach vorzeitig gekündigt. Meist sind finanzielle Engpässe der Grund für die Kündigung. Kündigt ein Kunde seinen Vertrag vor dem vereinbarten Laufzeitende, zahlt die Versicherung ihm den so genannten Rückkaufswert aus. Dieser besteht aus den geleisteten Beiträgen zuzüglich Zinsen und minus Bearbeitungs- und Abschlusskosten. Die vorzeitig gutgeschriebenen Zinserträge sind nur marginal, denn fast ein Drittel aller Zinsüberschüsse stammen aus dem Schlussgewinn. Dieser wird erst am Ende der Laufzeit der Versicherung ausgezahlt. Wer vorzeitig seinen Vertrag kündigt, verzichtet unwiderruflich auf diesen Schlussgewinn-Anteil.
Doch es gibt eine Alternative: Spezialmakler bezahlen für die Lebensversicherungs-Policen zwei bis drei Prozent mehr, als dem Kunden als Rückkaufswert zusteht. Zudem behält der Kunde auch beim Verkauf der Versicherung seinen Todesfallschutz. Im Falle des Todes erhält er die Todesfall-Leistung minus bereits gezahltem Veräußerungspreis. Noch wichtiger für den Verkäufer: „Wird ein Vertrag, der noch nicht länger als zwölf Jahre besteht, verkauft statt gekündigt, unterliegt der ausbezahlte Verkaufspreis nicht der Kapitalertragsteuer“, sagt Andreas Renner vom Bankhaus Berenberg in Hamburg.
Was macht der Makler mit den verkauften Policen? Er handelt sie – wie an der Börse – an Kaufwillige durch. Ganz oben in der Schlange der Kaufwilligen stehen dabei Fondsgesellschaften, die gebrauchte Lebenspolicen aufkaufen, bündeln und in Tranchen wieder an Anleger verkaufen. „Die Anteile an diesen Fonds sind begehrt“, meint Berenberg-Fonds-Experte Jürgen Raeke. Denn in Zeiten niedrigster Anleihezinsen und unsicherer Aktienbörsen suchten Anleger sichere und renditestarke Anlageformen. Rolf Combach
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