ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2003Börsebius zur Hypovereinsbank: Verflixtes Kuckucksei

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zur Hypovereinsbank: Verflixtes Kuckucksei

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): [72]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Falls Sie in diesen Tagen mal Lust haben, einen aktuellen Blick in Ihr Depot zu wagen, werden Sie möglicherweise eine Aktie dort finden, von deren Existenz Sie bislang noch gar nichts wussten. Vermutlich macht es dann auch nicht viel Sinn, bei der Bank wegen einer offensichtlichen Fehlbuchung zu insistieren.
Das alles ist keine Fantasie, sondern real. Dieser Überraschung ist derzeit schon so mancher Börsianer erlegen, weil er im Besitz von Aktien der Hypovereinsbank (HVB) war, genauer, noch ist. Allen Eignern von HVB-Aktien wurden Anfang Oktober Anteilsscheine der „Hypo Real Estate Holding AG“ ins Portfolio gelegt, ob sie wollten oder nicht.
Für je vier HVB wurde eine Hypo Real Estate (WKN 802770) zugewiesen. Vergeblich sucht der erstaunte Anleger nach einem etwaigen Preis, der für das Kuckucksei noch zu berappen sei. Wenigstens hier kann Tröstliches vermeldet werden, die Hypo Real Estate kostete nichts extra.
Wirklich? Bei genauer Betrachtung stimmt das so auch wieder nicht. Die Aktie der Hypovereinsbank hat nämlich an dem Börsentag, zu dem die „Spaltung“ vollzogen wurde, den rechnerischen Split mit einem Kursabschlag „bestraft“. Mit anderen Worten: 4 HVB (neu) plus 1 Real Estate entsprechen ungefähr dem Wert von vier HVB-Aktien am Tag vor dem Split.
Sehr verständlich, dass viele Anleger bei einer Aktie, die ziemlich überraschend im Depot auftaucht, und von der auch noch etliche Experten keine besonders gute Meinung haben, weil Immobilienwerte out seien, rasch die Notbremse ziehen wollen. Weg mit dem Titel, später ist der Schaden vielleicht größer, so höre ich in diesen Tagen des Öfteren.
Haltet ein, möchte ich gerne denen zurufen, die sich bisher noch nicht zum Verkauf durchgerungen haben. Meines Erachtens wäre ein Abstoßen der Hypo Real Estate ein grober Fehler. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.
Erst einmal steckt hinter der Trennung des Immobilienbereichs vom „normalen“ Geschäft der Hypovereinsbank ein grundlegender strategischer Wechsel bei der HVB. Dieser ist eindeutig positiv zu werten, weil sich damit die Bank auf dem Weg zu klareren Strukturen befindet.
Außerdem müssen Anleger, die sich jetzt zum Verkauf der Hypo Real Estate Holding AG entschließen, bei Kursgewinnen Spekulationssteuer zahlen. Das gilt auch, wenn sie die HVB-Aktien bereits länger als 12 Monate im Depot haben! Da aber dann mit einiger Wahrscheinlichkeit der Kurs der Hypo Real Estate höher als beim Split im Oktober 2003 steht, können sie den Gewinn später steuerfrei einstreichen. So kann sich ein vermeintliches Kuckucksei noch zum Glücksbringer entwickeln.
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