Supplement: Reisemagazin

Sri Lanka: Insel mit kolonialem Flair

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): [4]

Amann, Erika

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Fotos: Erika Amann
Fotos: Erika Amann
Das frühere Ceylon – heute: Sri Lanka – zählt zu den beliebtesten exotischen Urlauber-Destinationen.

Tee-Insel Sri Lanka: vom Strand ans Ende der Welt. Hoch oben auf den Horton Plains steht die alte Jagdhütte des letzten britischen Gouverneurs. Dort trafen sich Kolonialoffiziere zur Leoparden- und Elefanten-Jagd.
Heute sieht man auf einer Fotosafari im Yala-Naturschutz- park mit etwas Glück einen Leoparden; die meisten wil-den Elefanten tummeln sich noch im Buschland des Uda-Walawe-Reservats im Süden der Insel. Vom höchstgelegenen Inselort Nuwara Eliya windet sich eine löcherige Pistenstraße zum einstigen Jagdsitz hinauf. Längst wurde daraus die schlichte Herberge Farr Inn. Sie ist beliebt zum Übernachten, um auf frühlingskühlen 2 100 Metern Höhe über hochalpine Wiesen und durch dichten Rhododendron und Nebelwald ans „kleine und große Ende der Welt“ zu wandern.
Frühstart am Morgen für den einfachen Zweistunden-weg. Denn die Sonne kann die dichten Nebelschleier nur bis etwa zehn Uhr vertreiben und den Blick freihalten, um dem Ende der Welt in den spektakulären, tausend Meter tiefen Abgrund zu schauen.
Stadt über den Wolken
Mehr Kondition fordern die Berge um Nuwara Eliya. Sie heißt Stadt über den Wolken. Einmalig ist die Sicht über das Eiland von ihrem Hausberg Pidurutalaga, dem mit 2 524 Metern höchsten Inselgipfel. Überall britischer Kolonialstil im Berg- und Teestädtchen. Hierher flüchteten blasse englische Ladys und Beamte vor der Tropenhitze in ihr Klima-Sanatorium. Man residierte elegant im Grand Hotel, im St. Andrew’s oder in adretten Privathäusern, umgrünt von exotischen Gärten. Es sieht so aus, als hätte sich außer den Gästen nichts geändert. Weder der Krawattenzwang im feinen Hill Club, wo sich die Teefarmer zum Dinner trafen, noch in Asiens schönstgelegenem Golfclub von 1889. Hierher kommen Elite-Golfer aus aller Welt. Aber wie eh und je sind abends zum Sundowner an der Golfbar lange Hosen Vorschrift.
Tee- und Traumroute
Ein weiter Blick, bei gutem Wetter bis zur Küste, öffnet sich von Nuwara Eliya, der Stadt über den Wolken. Foto: Eberhard Hahne
Ein weiter Blick, bei gutem Wetter bis zur Küste, öffnet sich von Nuwara Eliya, der Stadt über den Wolken. Foto: Eberhard Hahne
Bereits anno 1867 fuhr die erste Eisenbahn von Kandy nach Colombo. Wichtigste Fracht waren kostbare Ceylongewürze wie Kardamom, Muskatnuss, Pfeffer und Zimt. Später kam Tee dazu. Denn zur gleichen Zeit begann Pionier James Taylor, in der Bergregion Tee anzubauen. Trotz der diffizilen Streckenführung durch die Berge hielt die Bahn Schritt. Seit 1885 klettert sie für die Teefarmen wie eine Gemse von Kandy hoch auf 1 700 Meter nach Nanu Oya. Inzwischen führt die Strecke durch die Teeberge noch weiter bis in die Orte Ella und Badulla. Pünktlich fährt die alte Bahn, rattert durch Tunnels und rauscht sicher über schwindelerregend hohe Brücken, durch endlose Kurven und Serpentinen. Für Touristen wurde diese Strecke für 3,50 Euro zur Traumroute im Observation Car (Aussichtswaggon). Die Aussicht ist berauschend, Autos und Busse können da nicht mithalten. Dörfer gleiten vorbei wie Spielzeug zwischen sanften Hügeln, runden Bergrücken und spitzen Kegeln bis an den blauen Himmel. Überzogen von einem dichten Teppich aus sattgrünen Teesträuchern. Bunten Blumen gleich, leuchten die farbigen Saris der Pflückerinnen heraus. Dazwischen seidig glänzende Pinienwälder und Tulpenbäume, übersät mit roten Blüten.
Wiegende Kokospalmen vor dem Maigrün der Reisterrassen kündigen endlich die Wallfahrtsstadt Kandy an mit dem Tempel, der den linken Eckzahn Buddhas bewahrt.
Heute verdient jeder dritte Insulaner sein Brot mit Ceylon-Tee. Die Spitzentees kommen aus den Bergen um Nuwara Eliya, Dimbulla und Uva. Sie in den großen Teefabriken zu kosten und die Produktion zu beobachten ist so interessant wie der Schnäppchenpreis. Für ein Kilo vom besten Tee verlangt man 4,50 Euro.
Sri Lanka, nicht größer als Bayern, verfügt über ein sicheres Bahnnetz von 1 500 Kilometern. Von Badeorten, wie Bentota an der Westküste, stehen Ausflüge in eigener Regie bei Touristen hoch im Kurs. Etwa in die lebhafte Metropole Colombo und in den wenig bekannten Süden, vorbei an den historischen Festungen der Holländer in Galle ins lebhafte Universitätsstädtchen Matara. Von hier bis zur Südspitze der Insel am Dondra Head ist es ein Katzensprung im Dreirad-Taxi. Oben vom alten Leuchtturm sind die hübschen, von Kokoswäldchen und Fischerbooten gesäumten Buchten und ein endloser Ozean zu sehen. Im Norden werden via Kandy die Teeberge und das Kulturdreieck Anuradhapura, Sigiriya und Polonnaruwa angesteuert.
An die Ostküste
Mit atemberaubenden Aussichten und den billigsten Preisen „verwöhnt“ Sri Lankas Eisenbahn.
Mit atemberaubenden Aussichten und den billigsten Preisen „verwöhnt“ Sri Lankas Eisenbahn.
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Nach fast 20 Jahren Bürgerkrieg ist auch die Ostküste wieder offen. Gute Zugverbindungen führen nach Baticaloa und Trincomalee in den besten Naturhafen Südostasiens, überragt vom Fort Frederic der Portugiesen und dem alten Hindu-Heiligtum auf dem Swami-Felsen. Hier soll Prinzessin Sita entkommen sein; nach dem Ramayana-Epos wurde sie vom Riesen Ravana geraubt. Aus seinen Tränen der Wut, so glaubt man, sind die sieben Thermalquellen hinter dem Strand von Trinco entstanden. Wie überall in Sri Lanka ist hier nach dem Waffenstillstand 2002 und den Friedensgesprächen mit den tamilischen Separatisten großer Optimismus zu spüren. Als erstes Hotel wurde das Nilaveli renoviert und steht schon in Ferien-Katalogen. In Trinco scheint die Sonne im Sommer, während im Westen oft starke Monsunregen niederprasseln. In den Wintermonaten ist es genau umgekehrt – die ideale Ganzjahres-kombination.
Die Westküstenhotels sind nicht müßig. Sie stellen sich verstärkt auf den großen Trend zum Ayurveda-Gesundheitsurlaub ein – sogar in der gut geführten Pension Susantha’s in Bentota, den Bahnhof direkt vor dem Garten, und in der Club Villa, einem Hideaway im Kolonialstil inmitten eines großen Palmenhains. Preiswerte Badehotels, wie etwa das Serendib, das seit Jahren mit stolzen sechzig Prozent Stammgästen rechnen darf, müssen mit neuer Konkurrenz rechnen. So genannte small luxory hotels of the world sind im Kommen. Neuestes Beispiel sind die stilvollen Saman Villas auf dem Kap oberhalb der ruhigen Strände von Induruwa und Bentota. Doch den schönsten Sonnenuntergang auf der Insel reklamiert von seiner stilvollen Terrassenbar aus das Kolonialhotel Mount Lavinia vor Colombo für sich.
Am intensivsten bemerkt man die lang ersehnten Friedenssignale in der Metropole mit. Und sie ist für ausdauernde Stadtbummler der beste Platz zum Erholen von Einkaufsorgien und Tempeln. Erika Amann

Reise-Tipps: Einreise: Sechs Monate gültiger Reisepass; Malaria-Prophylaxe empfohlen; Geld: 105 Rupies circa ein Euro, Kreditkarten; Zeit: plus 5 Stunden zur MEZ;
Flüge: LTU-Sparpreis ab 779 Euro ab Düsseldorf, Frankfurt, München, ab 929 Euro ab Berlin, Hamburg; Pauschalreisen: Zwei Wochen am Ben-
tota Beach Hotel Serendib, Flug/HP ab 933 Euro, VL-Tag ab 26 Euro, Trinco/Ostküste Nilaveli Hotel Flug/HP ab 1 523 Euro (Jahn Reisen)

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