Supplement: Reisemagazin

Singapur: Heiß und cool

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): [6]

Hoffmann, Frank

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Fotos: Frank Hoffmann Konturen: das „Esplanade“-Kulturzentrum vor der Skyline des Bankenviertels
Fotos: Frank Hoffmann Konturen: das „Esplanade“-Kulturzentrum vor der Skyline des Bankenviertels
Wie in Indien: vor uns, auf einem silbernen Tablett, dampfende Pfannkuchen, die dhosis. Sie sind eingerahmt von Schälchen mit Linsencurry und Kokos-Chutney, Joghurt und Pfefferwasser. Lächelnd schauen uns Herren in sehr unterschiedlichen Trachten zu, solche in langen weißen Hemden, über die eine Weste getragen wird, andere mit bunten Turbanen. Auch beleibte Ladys in fließenden Saris, mit viel Gold von Kopf bis Fuß behängt, bestaunen uns freundlich – an der Serangoon Road, Ecke Hastings Street, mitten im Herzen Singapurs.
Ein paar Schritte weiter hockt der Wahrsager vor einem chinesischen Zhuja Basar. Durch seinen Papagei lässt er uns die nahe Zukunft deuten. Der bunte Vogel pickt ein Zettelchen aus einem Holzkasten: „Passen Sie auf, Sie werden viel erleben – kalt und heiß . . . .“.
Im Tekka Centre, gleich um die Ecke, brodelt es: Da wird um Gold gefeilscht, bonbonfarbene Seide in Metern ausgemessen, alle Köstlichkeiten der Tropen aus mobilen Garküchen angeboten: Satays,
die Fleischspieße der Malaien, Teigfladen aus der Tamilenküche, gekochte und gebratene Nudeln, von Chinesen in Schüsseln gefüllt und an Kunden aller Rassen und Nationalitäten gereicht, auf Hockern kauernd verzehrt, die Schalen dicht am Mund, die Stäbchen pausenlos in Betrieb, wie es die Kantonesen und Hokkien vormachen.
Beliebter Treffpunkt: Statue des Stadtgründers Sir Stamford Raffles
Beliebter Treffpunkt: Statue des Stadtgründers Sir Stamford Raffles
Gegen neun Uhr abends. Noch immer gilt die Happy Hour am Boat Quai, der Flanierpiste nach Feierabend, Barmeile, Fressgasse am Singapore River. Kilometerlang reihen sich hier Kneipen und Bars, Steh-
imbisse und feine Lokale aneinander. Kein Hocker bleibt frei draußen auf dem Fußweg, unter einem Nachthimmel, der erleuchtet ist von den Lampions und Lichterketten auf dieser Seite und den funkelnden, glitzernden Wolkenkratzern drüben über dem Fluss. Die wuchtigen Säulen des Parliament House, eindrucksvoll angestrahlt, bringen das Erbe aus britisch-kolonialer Vergangenheit in Erinnerung, längst überragt von den Machtzentren der Finanzwelt, der globalen Hightechkonzerne und den Klötzen der internationalen Hotelketten. In 140 Banken werden große Räder gedreht, wird geplant und gepusht in einem Tempo, wie es dieser Stadt seit Jahrzehnten zu Eigen ist. Auf mehr als vier Millionen Menschen ist der Stadtstaat angewachsen, eine Insel an der Südspitze der malaiischen Halbinsel, mit 648 Quadratkilometern deutlich kleiner als etwa Hamburg.
In den frühen Achtzigerjahren hat es eine Periode gegeben, in der Singapur seine Herkunft, seinen Charakter zu vergessen schien. Aber das ist längst vorbei. Kunstvoll werden Shophouses, einst die kombinierten Wohn- und Lagerhäuser in Chinatown und an den Ufern des Singapore River, restauriert und mit neuem Leben erfüllt. Wie in alten Zeiten köcheln die Satays, die süßsauren Kalamaris und die scharf gewürzten Krabben, in den Hawker Stalls, den Garküchen auf den vielen Märkten.
Esplanade: Wahrzeichen
Seit ein paar Monaten lockt der kleine Inselstaat auch mit einem Kulturtempel, der zum neuen Wahrzeichen werden soll. „Esplanade – die Theater an der Bucht“ heißen die gigantischen Kuppeln, die das Stadtbild verändert haben. Die Stadtwerber wollen sich mit den bedeutendsten Kulturkathedralen der Welt messen, zum Beispiel mit der Oper in Sydney. Immerhin: Kiri te Kanawa war schon da, auch die New Yorker und die Londoner Philharmoniker, Jessy Norman, die besten Opernensembles aus Peking und Shanghai. Rund 400 Millionen Euro wurden verbaut. Frank Hoffmann

Reise-Tipps: Flug: Singapore Airlines, für ihren exzellenten Service in allen Klassen gerühmt, fliegt zweimal täglich nonstop ab Frankfurt/Main. Auch Lufthansa und Qantas bedienen diese Strecke.
Hotel: Wenn es nicht Legenden und Luxus sein sollen, dann ein originelles Hotel in Chinatown; Fax: 00 65/2 27 12 32; www.duxton.com. Aber auf einen Singpore Sling muss man ins legendäre „Raffles“ schauen, wo Könige, Präsidenten und berühmte Künstler gewohnt haben.
Reiseführer: Aktuell – Der Band aus der Dumont-Extra-Reihe (6,95 Euro)
Auskunft: Singapore Tourist Board in Frankfurt, Telefon: 0 69/9 20 77 00;
Internet: www.new-asia-singapore.de N
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