Supplement: Reisemagazin

Madeira: Erholung im Atlantik

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): [9]

UK

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Foto: privat
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Madeira, die kleine portugiesische Insel 600 Kilometer westlich von Casablanca im Atlantik, hat seit ihrer Besiedlung durch die Portugiesen im 15. Jahrhundert und Erschließung durch den Prinzen des portugiesischen Königshauses, Heinrich, besser bekannt als Heinrich der Seefahrer, Reisende magisch angezogen.
Zunächst waren es die Händler, die der reiche Gewinn aus dem Zuckeranbau anlockte, und die entdeckungshungrigen Seefahrer, die den Stützpunkt mitten im Atlantik als letzte Möglichkeit schätzten, ihre Schiffe ausreichend mit Süßwasser, Wein und frischem Proviant zu versorgen, bevor sie die große Fahrt über den Atlantik wagten.
Seefahrer-Denkmal
Kolumbus gehörte zu beiden Gruppen. Als Zuckerhändler kam er nach Madeira, heiratete dort die Tochter des Legatkapitäns Perestrelo, mit Sitz auf Porto Santo, der kleinen Nachbarinsel Madeiras. Die kurze Zeit, die er dort verbrachte, reichte ihm, um die Passatwinde und ihren wahrscheinlichen Einfluss auf den Seeweg nach Westen zu studieren und so die Grundlage für seine Entdeckung Amerikas zu legen. Zumindest sehen die Madeirenser so ihren Anteil an dieser seemännischen Großtat. Sie haben daher mit der Liebe aller Portugiesen zu imposanten Statuen Kolumbus, mit kundigem Blick über das Meer, in Funchal ein Denkmal errichtet. Dorthin, auf das weite Meer, schaut auch der Endecker der Insel, Zarco. Nur Heinrich dem Seefahrer ist mit seiner Statue diese Blickrichtung verwehrt. Vielleicht der deutliche Hinweis darauf, dass dieser, für die Größe Portugals als Seefahrernation so wichtige Mann, niemals selber zur See gefahren ist.
Schon bald folgten ihnen allen die Familien englischer Händler, die das milde ausgewogene Klima Madeiras den kalten mitteleuropäischen Wintern vorzogen.
Sie verbrachten die Wintermonate in eigenen oder angemieteten Quintas (Landhäusern). Sie legten mit der Vorliebe der Engländer für Gärten und Parks den Grundstein für Madeira als Blumeninsel. Die Pflanzen, die aus aller Herren Länder nach Madeira gebracht wurden, fanden ideale Wachstumsbedingungen und bereicherten die Flora um viele Schätze. Dieser Reichtum an prachtvollen Blüten lockte diejenigen Gäste an, die sich die aufwendige Seereise und die Mieten für die Häuser leisten konnten. Man reiste nach Madeira. Obwohl die Insel zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel zu ihren Stammgästen zählte, scheint für Österreicher und Deutsche nur wichtig zu sein, dass „Sissi“ hier war und Genesung von ihrem Lungenleiden – oder war es nur der Überdruss am Hofleben – gefunden hat. Auch ihr wurde, nahe dem Casino-Parkhotel in Funchal, ein Bronzedenkmal gewidmet. Es verkörpert Glanz und Gloria der Habsburger, deren Geschichte sich immer wieder mit der Madeiras kreuzt, bis zum bitteren Ende, das der letzte Habsburger Kaiser, Karl I, 1922 in Monte, oberhalb von Funchal, fand.
Gediegene Hotels
Erst Ende des 19. Jahrhunderts erbaute der Schotte William Reid das erste große Hotel, das Reid’s, spektakulär auf einem Felsen am Meer über dem Hafen von Funchal gelegen. Dieses Hotel wurde selbst zu einem Denkmal britischer Lebensart auf Madeira. Obwohl ursprünglich mehr für die Gäste gedacht, die sich keine Quintas und die dazu gehörende Dienerschaft leisten konnten, wurde es zum Luxushotel schlechthin. Der Five o’clock tea auf der Terrasse mit Blick über den Atlantik und den Hafen von Funchal vermittelt auch heute noch das Gefühl, Gast bei den Privilegierten der Kolonialzeit zu sein.
Wesentlich unscheinbarer dagegen, die Tafel mit dem Hinweis auf Winston Churchill, der aber sein Malerherz an Camara de Lobos, den Fischerort, verloren hatte und dort auf der Terrasse von „Churchill’s Restaurant“ zum Malen verweilte. UK
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