Supplement: Reisemagazin

Südtirol: Genießen im Eisacktal

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): [10]

Berg, Detlef

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St. Magdalena im Villnösser Tal mit der Geislergruppe Fotos: Tourismusverband Eisacktal
St. Magdalena im Villnösser Tal mit der Geislergruppe Fotos: Tourismusverband Eisacktal
Gourmets und Romantiker lieben die Wein- und Obstlandschaft Südtirols. Stolze Burgen entführen in vergangene Zeiten.

Tor zum Süden, so nannte einst ein Schriftsteller das Eisacktal in seinen Reisenotizen, als er, von Norden kommend, in Vahrn erstmals Weinbergen und Kastanienhainen begegnete. Nur etwa 35 Kilometer hinter dem Brenner öffnet sich die Schlucht der Eisack mit ihren steil abfallenden Felswänden in ein weites grünes Tal. An die Stelle der schroffen Felswände der Sachsenklamm treten liebliche Mittelgebirgsrücken. Millionen Touristen brausen alljährlich auf ihrer eiligen Fahrt gen Süden an dieser reizvollen Landschaft vorbei. Dabei gibt es links und rechts der Eisack viel zu entdecken: ruhige Seitentäler, wie das Ridnaun- oder Villnösstal, Gletscher, Naturparks und andere landschaftliche Attraktionen.
Für Wanderer und Freunde deftiger kulinarischer Genüsse dürften der Sommer und der Herbst die schönsten Zeiten des Jahres sein. Mit saftigen Almen, bunten Wiesen, bizarren Bergriesen, kühnen Felsen, glitzernden Bächen und Seen präsentiert sich die Natur im Sommer von ihrer schönsten Seite. Bis weit in den November sind die Tage mild, und das klare Wetter lädt zu ausgedehnten Wanderungen, aber auch noch zu den letzten Bergtouren der Saison ein.
Überhaupt ist das Wandern in Südtirol ein beliebter Freizeitspaß. Spazieren gegangen, gewandert und geklettert wird in allen Höhenlagen bis hinauf zu Südtirols höchstem Berg, dem Ortler (3 902 Meter). Ein gut erschlossenes Wandernetz ist ein weiteres Markenzeichen der Region.
Ein guter Tropfen lässt sich direkt beim Winzer verkosten.
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Als ideales Standquartier mit vielen preiswerten Unterkünften bietet sich die Bischofsstadt Brixen an. Mit ihren alten Gassen und stolzen Bürgerhäusern, den Laubengängen und Brücken liegt sie am Zusammenfluss von Eisack und Rienz. Pünktlich zur großen Jubiläumsfeier in diesem Jahr präsentiert sich der historische Stadtkern perfekt restauriert. Als Gründungsdatum der Stadt gilt der 13. September 901. An diesem Tag vor 1 100 Jahren machte nämlich der letzte karolingische König Ludwig das Kind dem Bischof Zacharias von Säben das Landgut „Prichsna“ zum Geschenk. Fast ein Jahrtausend Bischofsstadt – 1964 wurde der Bischofssitz nach Bozen verlegt – überragt der Dom auch heute noch mit seinen mächtigen Türmen den Ort. Sehenswert ist der Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert und das Diözesan- und Krippenmuseum, das sich in der ehemaligen Fürstbischöflichen Hofburg befindet. Brixen wird auch als Stadt der Tore und Lauben bezeichnet. Wo einst Handwerker arbeiteten, laden heute kleine Läden mit eleganter italienischer Mode oder Südtiroler Trachten zum Einkaufsbummel ein, und natürlich gibt es auch Wein- und Delikatessengeschäfte.
In der Altstadt von Brixen beginnt einer der schönsten Wanderwege der Region. Dieser führt über die Adlerbrücke und dann am Ufer der Eisack entlang nach Neustift zur größten Klosteranlage des Landes. 1142 vom Brixner Bischof Hartmann gegründet, hat das Augustinerchorherrenstift immer eine bedeutende Rolle in Südtirol und in Europa gespielt. Vom reichen geistigen Leben zeugt die Stiftsbibliothek, die besichtigt werden kann. Seit den Zeiten der mittelalterlichen Latein- und Schreibschule beleben bis auf den heutigen Tag Schüler das Kloster. Wegweisend waren die Chorherren, als sie 1970 im Bereich Erwachsenenbildung die Themen Sanfter Tourismus und Umweltschutz aufgriffen. Da verwundert es nicht, wenn heute das Kloster auch Computerkurse anbietet, „weil damit gerade der moderne Mensch in seinen Bedürfnissen erreicht und angesprochen wird“. Wirtschaftlich war das Kloster dank seiner Güter immer weitgehend selbstständig. Wälder, Felder und Weinberge gehörten ebenso dazu wie Sägewerke, Mühle und Weinkeller. Vor allem weiße Trauben sind es, die im nördlichsten Weinbaugebiet südlich der Alpen rund um das Stift in geschützter Lage wachsen. In der traditionsreichen Stiftskellerei reifen sie zum Sylvaner, Müller Thurgau, Gewürztraminer, Kerner, Ruländer oder Veltliner. Wer will, kann die Weine auch gleich in der Klosterschänke probieren. Der Wanderweg führt weiter durch die Weinberge, zunächst zum Bauernhof „Alter Pacher“ und dann hinauf nach Elvas.
Zwischen dem Säbener Burgfelsen und der Eisack liegt das romantische Klausen – beliebter Aufenthaltsort für Künstler.
Zwischen dem Säbener Burgfelsen und der Eisack liegt das romantische Klausen – beliebter Aufenthaltsort für Künstler.
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Ausgangspunkt für schöne Wanderungen ist auch das Künstlerstädtchen Klausen. Schon 1494 hatte sich Albrecht Dürer in das Städtchen verliebt und seine Eindrücke im Kupferstich „Das große Glück“ festgehalten. Seither hat Klausen viele Künstler und Dichter in seinen Bann gezogen, wurde abgebildet und besungen. Die Vermutung, dass Walther von der Vogelweide im nahen Lajener Ried geboren sein könnte, führte ausgangs des 19. Jahrhunderts zu einer „Walthereuphorie“ und machte den Ort bekannt. Weil lange Zeit die Straße vom Brenner nach dem Süden mitten durch den Ort führte, entstanden in Klausen Gästehäuser, die seit Jahrhunderten berühmte Gäste beherbergten. Das Städtchen zieht sich lang gestreckt zwischen dem Säbener Burgfelsen und der Eisack hin, schöne Fassaden reihen sich bunt und schmal aneinander, überragt von gotischen Kirchen.
Mit Rucksack, festem Schuhwerk und guter Laune kann man zum Beispiel eine Tagestour zum Kloster Säben und weiter zum Schloss Feldthurns unternehmen, der ehemaligen Residenz der Brixner Bischöfe. Von der Klausener Unterstadt geht es zunächst treppauf bis zum Schloss Branzoll, das nicht zu besichtigen ist. Am Wegesrand aufgestellte Bilder erinnern daran, dass der Kreuzweg nach Säben auch ein klassischer Wallfahrerweg ist, auf dem vor allem während der Fastenzeit viele Pilger unterwegs sind. Das Kloster Säben, wie eine
Tiroler Akropolis über Klausen thronend, wird von Benediktinerinnen nach dem Lebensprinzip „Ora et labora“ geführt. Über sonnige Höhenterrassen, die sich oberhalb von Brixen bis zum Thinebach bei Klausen entlang ziehen, erreichen wir Feldthurns mit seinen traditionsreichen Bauernhöfen und alten Ansitzen.
Malerische Winkel und bis in den Ortskern reichende Obstkulturen, mächtige Nussbäume und Kastanienhaine verleihen dem verträumten Bergdorf einen besonders idyllischen Charakter. Auf der anderen Seite baut sich die eindrucksvolle Kulisse der Dolomiten von der Peitlerkofelgruppe bis hin zur Geislergruppe auf. Detlef Berg

Reise-Tipps: Anreise: Mit dem Auto erreicht man das Eisacktal von Norden über die mautpflichtige Brennerautobahn A 22 oder der alten Brennerstraße über Innsbruck und den Brennerpass.
Buchtipps: Kompass Großer Wander-Atlas Südtirol/K633, 15,95 Euro.
Informationen: Tourismusverband Eisacktal, Großer Graben 28 a, I-39042 Brixen, Telefon: 00 39/4 72/80 22 32, Fax: 80 13 15 oder für ganz Südtirol über Südtirol Tourismus Werbung, Pfarrplatz 11, I-39100 Bozen, Telefon: 00 39/ 4 71/88 38 08, Fax: 99 38 89

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