Supplement: Reisemagazin

Grenada: Gewürzinsel der Heiterkeit

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): [12]

Unverzagt, Gesine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Es ist Markttag in St. George’s. Kleine, rote Minibusse bringen die Leute aus allen Ecken der 344,5 qkm großen Insel in die Hauptstadt. Der Market Square ist das Zentrum des Ortes. Hier werden politische Reden geschwungen, finden neben religiösen Zeremonien auch Paraden statt. Am Samstag ist der Platz jedoch Schauplatz des prallen karibischen Lebens. Über dem Platz liegt der aromatische Duft von Gewürzen, vermischt mit dem Geruch von Gemüse und reifem Obst. Mitten im Gewimmel wird plötzlich gestritten. Zwei Frauen sind sich nicht über den Preis für eine Staude Bananen einig, bis eine dicke Frau mit wiegendem Schritt dazwischengeht mit den beschwichtigenden Worten. „Giv’ dat woman dat money!“
Die Angesprochene überreicht unwillig das Geld, und langsam beruhigen sich die Gemüter. An einem anderen Stand herrscht Joyce, eine dicke, fröhliche, schwarze Frau mit wilden Rastahaaren. Sie ist Herrin über einen riesigen Gewürzstand. Neben Nelken, Ingwer, Vanille, Zimt, Gelbwurz und Pfeffer ist Muskatnuss das wichtigste Gewürz. Nach Indonesien ist die kleine Insel Grenada der zweitgrößte Exporteur dieser Nuss. Hübsch, in kleine selbst geflochtene Körbchen verpackt, inklusive einer kleinen Reibe, sind sie das typische Souvenir der Gewürzinsel.
Man sagt, die Hauptstadt Grenadas sei die schönste Stadt der Karibik. Die engen, steilen Gassen mit den pastellfarbenen, kreolischen Häusern vermitteln ein ganz besonderes Kleinstadtflair. Wenn allerdings Kreuzfahrtschiffe im hufeisenförmigen Hafenbecken liegen, geht es turbulent zu, und die zahlreichen kleinen Restaurants und Cafés sind überfüllt. Laufen am Abend die Schiffe aus, kehrt wieder Ruhe ein, das Leben wird wieder karibisch entspannt.
Vor der Küste Venezuelas
Grenada gehört zu den Winward Inseln der Kleinen Antillen und liegt vor der Küste Venezuelas. Das Eiland besteht aus grünen, steil emporragenden Vulkanbergen, die sich aus dem Karibischen Meer emporheben. Das Hinterland lockt mit dichter
Tropenvegetation, natürlichen Quellen, Kraterseen und Wasserfällen. Die Küste besteht aus weißen, wenigen schwarzen Sandstränden und Mangrovenwäldern. An den Hängen kleben karibisch bunte Häuser mit roten Dächern, gestützt von Betonpfeilern. Wie bei vielen Karibikin-
seln wechselte die Herrschaft ständig zwischen Großbritannien und Frankreich, bis Grenada endgültig den Briten zugesprochen wurde. Das französische Erbe lebt jedoch in den Namen der Plätze und Ortschaften fort.
1983 war Grenada f
Joyce ist die Herrscherin über Gewürze aller Art, dem Haupt-Exportartikel von Grenada. Fotos: Gesine Unverzagt
Joyce ist die Herrscherin über Gewürze aller Art, dem Haupt-Exportartikel von Grenada. Fotos: Gesine Unverzagt
ür kurze Zeit im Weltblickpunkt, als US-amerikanische Truppen die Insel besetzten, um sie von sozialistischen Einflüssen zu „befreien“. Die heutige Regierung ist demokratisch gewählt. „Ich nenne es Democrazy“, sagt lachend Kennedy, ein Fahrer indischer Herkunft. Neben dem Tourismus ist die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig. Außer den Gewürzen werden hauptsächlich Zuckerrohr, Kakao und Bananen angebaut.
Der längste und schönste Strand der Insel ist der Grand Anse Bay. Hier treffen sich Touristen und Einheimische zum Baden und Umhertollen in den Wellen des türkisgrünen Wassers. Gut gebaute Männer joggen den Strand entlang und lassen beim Beachball ihre Muskeln spielen, während die Ungezwungenheit der karibischen Schönheiten schon mal den Atem zum Stocken bringt. Es wird viel gelacht. Die Menschen sind angenehm, hilfsbereit, aber nicht devot, selbstbewusst, aber nicht aggressiv. Nie hat man ein ungutes Gefühl, selbst die Strandverkäufer sind nicht insistierend. Reggaemusik ist allgegenwärtig. Das größte Hotel am Strand wurde damals, 1983, zum Hauptquartier der Invasoren. Heute ist das Grenada Grand Beach Resort eines der schönsten Hotels der Insel mit mehreren Pools und mit Zimmern, die direkt zum Strand führen. Um allerdings die Zeit nur im Hotel oder am Strand zu verbringen, dafür ist Grenada zu exotisch. Während einer Tagesrundfahrt bekommt man einen guten Überblick über die Natur und die kleinen Dörfer. Noch gibt es hier keine nennenswerten Bausünden. Neben den Concord-Wasserfällen ist der Grand Etang, ein Kratersee im Zentralmassiv mitten im Regenwald, das beliebteste Ausflugsziel. Die enge, kurvige Strecke, gesäumt von Bambus, Farnen, Bananen- und Kakaoplantagen führt in das Herz des Regenwaldes.
Im Nationalpark
Der See ist Mittelpunkt des Nationalparks. Im Ausstellungszentrum kann der Besucher sich über Flora und Fauna informieren, bevor er den See umwandert. Trampelpfade, mit Muskatnussschalen bestreut, bieten Wanderern die Möglichkeit, in die Natur einzutauchen. Beim Besuch der Dougaldston-Spice-Estate-Gewürzplantage wird ein Einblick in die Gewürzproduktion gegeben, in Dunfermline bei Grenville erhält der Besucher eine Einführung in die Rumbrennerei.
Der feinsandige Strand am Grand Anse Bay ist der längste und schönste der Insel.
Der feinsandige Strand am Grand Anse Bay ist der längste und schönste der Insel.
Anzeige
Das Morne Fendue Plantation House, ganz im Norden der Insel, erinnert an ein Anwesen in Wales. In dem riesigen Haus im viktorianischen Stil aus grauem Stein lebt Dr. Jean Thomson. Die hübsche Kreolin, eigentlich Ärztin, verliebte sich in das Haus und beschloss, es zu übernehmen, Zimmer zu vermieten und Ausflüglern Lunch anzubieten. Meistens dauert ein Besuch bei ihr länger, denn die Frau weiß viel Interessantes zu erzählen.
Ein Geheimtipp ist der Besuch eines winzigen, rosa Hauses mit Veranda an der Lagoon Road, der Straße nach St. George’s, von wo aus man einen schönen Blick auf die Lagune und auf die Stadt hat. Der exzentrische Hausherr, der sich gern schrill kleidet, ist ein exzellenter Koch, nirgends wird so leckere Hausmannskost gekocht wie bei Patrick’s. Zwanzig lokale Gerichte, alle mit den aromatischen, einheimischen Gewürzen verfeinert, werden aufgetischt. Die Abrundung des vielseitigen Menüs bildet das köstliche Dessert, Eis mit geriebener Muskatnuss. Gesine Unverzagt

Reise-Tipps:
Info: Grenada Board of Tourism, Schenkendorfstraße 1, 65187 Wiesbaden, Telefon: 06 11-2 67 67 20, Fax: 06 11-2 67 67 60, E-Mail: grenada@discover-fra.com
Anreise: Mit British Airways; Condor/Thomas Cook fliegt einmal wöchentlich von Frankfurt am Main nach Grenada, allerdings nicht im Sommer.
Veranstalter: Dertour, Meier’s Weltreisen oder der Individualveranstalter Reisefieber in Hamburg.
Lage und Klima: Grenada ist ein Inselstaat der kleinen Antillen mit einer Durchschnittstemperatur von 28 Grad Celsius.
Beste Reisezeit: Von Mitte Dezember bis Mitte April.
Reiseführer: „Barbados, St. Lucia,St. Vincent, Grenada“ Dumont Reise-Taschenbuch, 12 Euro.
Zeitunterschied: In der Winterzeit minus fünf Stunden; im Sommer müssen die Uhren um sechs Stunden zurückgestellt
werden.
St. George’s, die Hauptstadt von Grenada, ist von kolonialem Stil geprägt.
St. George’s, die Hauptstadt von Grenada, ist von kolonialem Stil geprägt.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema