ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2003Krankenhäuser: „Lernendes“ System

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Krankenhäuser: „Lernendes“ System

Dtsch Arztebl 2003; 100(42): A-2681 / B-2237 / C-2101

Clade, Harald

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LNSLNS Der Referentenentwurf einer „Verordnung zum Fallpauschalensystem für Krankenhäuser für das Jahr 2004“ des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung enthält jetzt 802 Abrechnungspositionen statt bisher 664. Auch ist die Kostenhomogenität der einzelnen Diagnosis Related Groups (DRGs) verbessert worden. Dieser Schritt war notwendig geworden, nachdem die Deutsche Krankenhausgesellschaft im Juli 2003 formal das Scheitern der Verhandlungen mit den Spitzenverbänden der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung und dem Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung erklärt hatte. Der Entwurf dient der Vorbereitung einer Ministerverordnung, die kurzfristig verabschiedet werden und Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten soll.
Die Ulla-Schmidt-Administration verfolgt dabei ihre von Anfang an angekündigte Devise eines „lernenden“ Systems, bei dem das aus Australien importierte DRG-System, das für das Jahr 2003 notgedrungen übernommen wurde, kurzfristig und konsequent auf die Erfordernisse der deutschen Krankenhauspraxis angepasst werden soll. Da inzwischen mehr Krankenhäuser und insbesondere 13 Universitätskrankenhäuser an den Kalkulationen teilgenommen haben, ist zu erwarten, dass die Bewertungsrelationen treffsicherer geworden sind, so die Hoffnungen des Ministeriums. Dagegen hat das Ministerium von den Möglichkeiten, Leistungsbereiche vom Fallpauschalensystem auszunehmen, aufgrund des erweiterten und verbesserten Katalogs und der neuen Bewertungsrelationen nur restriktiv Gebrauch gemacht. Ausgenommen wurden lediglich zwölf diagnosebezogene Fallpauschalen, unter anderem für schwere Verbrennungen, die Frührehabilitation bei polytraumatisierten Patienten und akute Querschnittslähmungen. Für die ausgenommenen Leistungen sind jetzt krankenhausindividuelle Entgelte zu vereinbaren. In jedem Fall will das Ministerium verhindern, dass über die Hintertür wieder das längst abgeschaffte Selbstkostendeckungsprinzip eingeführt wird. Dr. rer. pol. Harald Clade
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