ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2003zu Übernahmekandidaten: Als Verlobte grüßen

VARIA: Schlusspunkt

zu Übernahmekandidaten: Als Verlobte grüßen

Dtsch Arztebl 2003; 100(43): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wer kauft wen? VW ist vielleicht an Ferrari dran, flüstern sich die Leute in Internetchats zu, und bei Bayer gibt es Fusionsgerüchte im Bereich der Pharmasparte, raunt der eine oder andere Anlageberater. Postillen heizen die Szene weiter an. Ein Gerücht, keiner weiß so recht, wie es in die Welt gekommen ist, lässt den Börsenkurs der umworbenen Braut nach oben schnellen. Börsenmärchen von der schnellen Mark sind da flugs geschrieben – und wer wollte davon nicht profitieren?
Bei der Drägerwerk AG passt das eben beschriebene Szenario ganz gut. Seit März hat sich der Kurs bereits verdoppelt, und immer wieder ist der Hersteller von Medizintechnik im Zentrum wilder Übernahmegerüchte. Gespeist wird die Story vermutlich auch durch die Tatsache, dass General Electric den britischen Konkurrenten Amersham zu horrenden Preisen übernommen hat.
Persönlich finde ich, dass an den Gerüchten nichts dran ist. Weil nichts zusammenpasst. Zur Übernahme bedarf es schlicht einer Mehrheit an Stammaktien. Die zusammenzubringen dürfte schlicht unmöglich sein, denn an der Börse werden nur Vorzugsaktien ohne Stimmrecht gehandelt. Die „echten“ (stimmberechtigten) Stammaktien befinden sich seit über 100 Jahren im Besitz der Familie Dräger, und ich glaube nicht, dass dort jemals eine Verkaufsabsicht bestand oder besteht.
Anders sieht es dagegen bei der Beiersdorf AG aus, an der, wie (fast) jeder weiß, Procter&Gamble größtes Interesse hat. Und wenn jetzt auch noch Tchibo als konkurrierender Brautwerber auftritt, kennt der Jubel der Enthusiasten fast keine Grenzen mehr. Gleichwohl ist da meines Erachtens nicht mehr so viel Geld zu verdienen, da der momentane Börsenkurs schon einiges dieser Gemengelage eskomptiert hat. Dennoch dürfte die Übernahme von Beiersdorf bei einem Kurs von etwa 140 bis 150 Euro zustande kommen.
Ernsthafte Heiratsadressen sind im Übrigen auch die Commerzbank und die Hypovereinsbank, deren Kurse freilich auch schon ziemlich gelaufen sind. Die vorgenannte Brautliste ist natürlich nur ein ganz kleiner Ausschnitt möglicher Börsenfusionen und Übernahmen. Adressen für ein so genanntes „take-over“ gibt es haufenweise.
In aller Regel jedoch sind die Überraschungen größer als tatsächlich zustande gekommene Hochzeiten bei den von Mund zu Mund herumgereichten bekannten ollen Kamellen. Schering etwa kommt schon seit Jahren gerüchteweise unter die Haube. In aller Öffentlichkeit gehandelt zu werden hat meistens andere Gründe, die von interessierter Seite lanciert werden.
Besonders kleinere Gesellschaften sind für manche Börsenbriefe ein willkommenes Fressen, via Take-over-Fantasien reiche Beute zu machen. Die Masche ist klar: vorkaufen, ins Gespräch bringen, Kasse machen, Gelackmeierte hinterlassen. Wie im wahren Leben.
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