ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2003Schnapp – ist der Hals ihm eingeklommen

VARIA: Post scriptum

Schnapp – ist der Hals ihm eingeklommen

Pfleger, Helmut

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Samstagmorgen – erste Runde beim letzten Ärzteschachturnier in Bad Neuenahr. Kaum fünf Minuten sind vergangen, im großen Saal des Kurhauses herrscht andächtige Stille, nur das kaum hörbare Ticken der Schachuhren, gebannte Konzentration an den 75 Brettern, die für die teilnehmenden 150 Ärzte in diesem Augenblick die Welt bedeuten. Aber was sehe ich da als neugieriger Flaneur beim Gang durch die Reihen? An einem Brett sind die Kampfhandlungen schon eingestellt, stattdessen beugt sich einer der Akteure über ein Büchlein mit dem vielsagenden Titel „So sollst du nicht Schach spielen – Eröffnungsfallen am Schachbrett“ von Snosko-Borowski, ein nie aussterbender Klassiker im Labyrinth der Eröffnungen, bei denen auch Meister immer wieder Reinfälle erleben – der Chronist selbst weiß manch leidvoll Lied davon zu singen. Just dies ist gerade dem Kollegen widerfahren, als Soforttherapie hat er sich den Kauf des einschlägigen Titels am Mädlerschen Buchstand verschrieben; vielleicht kann man ja zur zweiten Runde gar in die Täterrolle schlüpfen und selber Fallstricke für ein anderes Opfer mit dem eilig angelesenen Wissen auslegen.
Bereits im Jahre 1875 hatte der holländische Schachhistoriker van der Linde „Die zehn Schach-Gebote“ veröffentlicht, deren erstes lautete: „Du sollst keinen Unsinn auf diesem Brett produzieren in meinem Angesicht!“ Allerdings, wie das so ist mit Geboten – leicht aufzustellen, nicht so leicht einzuhalten. Schauen wir uns doch den ominösen Fall gleich an, der nach den Zügen 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 exd4 4. c3!? dxc3 5. Lc4 Le7?! entstand.
Mit welch zielstrebigem Zug bewog Dr. med. Nuradin Peci als Weißer den in diesem Moment noch nichts ahnenden Schwarzen zur Aufgabe. Doch wie hätte jener sich trotzdem noch heftig seiner Haut wehren und Paul Keres’ Diktum bestätigen können: „Man gibt nur Pakete auf, keine Schachpartien“?

Lösung:Nach dem „Damenhammer“ 6. Dd5! gab Schwarz auf, weil auf f7 Matt droht und der einzig plausible Deckungszug 6. ...Sh6 mit Schlagen durch 7. Lxh6 beantwortet wird. Doch unglaublicherweise finden sich in der Datenbank von „Chessbase“ 99 Partien mit dieser Stellung, und so könnte es weitergehen: 7. ...0-0! Die Achillesferse f7 ist gedeckt, der Läufer h6 angegriffen, überdies droht 8. ...cxb2, wogegen 8. Lc1 wegen 8. ...Sb4! nicht hilft (9. Dd1 c2). Also bescheidet sich Weiß mit 8. Sxc3 gxh6, steht aber jetzt nur etwas besser.
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