ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2003Ernährungsverhalten: Die Emotionalität überwiegt

AKTUELL: Akut

Ernährungsverhalten: Die Emotionalität überwiegt

Dtsch Arztebl 2003; 100(43): A-2757 / B-2301 / C-2157

Merten, Martina

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LNSLNS Die Ernährungsaufklärung der letzten 50 Jahre hat ihr Ziel verfehlt – die Anzahl ernährungsbedingter Krankheiten ist gestiegen. Diese Schlussfolgerung zog Prof. Dr. med. Volker Pudel vom Zentrum für Psychologische Medizin an der Universität Göttingen auf der Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zum Thema „Ernährungswissenschaften heute: ein multidisziplinärer Ansatz“. Die Tagung war gleichzeitig Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der DGE. Umfragen zufolge ist falsches Essverhalten nicht die Folge eines Mangels an Informationen über gesunde Erährung. Dass Menschen sich fettreich, vitaminarm und einseitig ernähren, liegt vor allem an ihren subjektiven Empfindungen beim Essen. „Was Menschen essen, steuern sie über Emotionen, nicht über Rationalität“, so Pudel. Mögliche Spätfolgen dieses Verhaltens spielen bei der Entscheidung darüber, was gegessen wird, den Umfrageergebnissen nach keine Rolle. Das Ziel der amerikanischen Präventionskampagne „5 a day“, den Obst- und Gemüseverzehr der Bevölkerung zu erhöhen, wurde verfehlt. Dies berichtete Dr. med. Anja Kroke vom Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung. Aßen die Amerikaner zu Beginn der Kampagne im Jahr 1991 3,8-mal am Tag Obst und Gemüse, waren es sechs Jahre später lediglich 3,9-mal.

Seit dem Jahr 2000 führt die DGE eine gleichnamige Kampagne im deutschen Raum durch. Eine Evaluation dieser Kampagne ist bisher allerdings nicht vorgesehen. Auch die Wirkung von Präventionsmaßnahmen zur Reduzierung des Körpergewichts bei Erwachsenen ist minimal. Die einzigen Mittel zur Gewichtsabnahme sind ausreichende Bewegung und Ernährung nach den zehn Regeln der DGE.

Zu diesem Ergebnis kommt eine gerade abgeschlossene, evidenzbasierte Leitlinie der DGE zur Prävention und Therapie der Adipositas, die zusammen mit der Deutschen Adipositas-Gesellschaft und der Deutschen Diabetes-Gesellschaft erstellt wurde. Die Bearbeitung der Leitlinie richtete sich nach den Vorgaben der Ärztlichen Zentralstelle für Qualitätssicherung. Nach Angaben von Prof. Dr. Hans Hauner vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungstherapie an der Technischen Universität München ist die Leitlinie ein gutes Beispiel für die Anwendung von Evidence-based-Medicine in der Ernährungsmedizin. Martina Merten

Die Leitlininien sind abrufbar im Internet unter: www.dge.de, www.adipositas-gesellschaft.de, www. deutsche-diabetes-gesellschaft.de
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