ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2003Psychotherapie: Gefährdung herbeigeführt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Den bisherigen Leserzuschriften zu oben genannten Beiträgen nach haben diese Empörung unter Ärzten ausgelöst. Diese bezog sich auch auf die ärztliche Selbstverwaltung, in der nach Ansicht der Bundes­psycho­therapeuten­kammer nun auch Nichtärzte, also reine Psychologen, über Ärzte mitbestimmen sollen. Dieser Protest wird auch vom Unterzeichnenden geteilt. Bei dieser Gelegenheit sei aber auch noch eine weitere Kritik vorgebracht: Das früher gültige „Delegationsprinzip“, d. h. dass Patienten sich zunächst an Ärzte wenden mussten und, falls ein ärztlicher Psychotherapeut nicht zur Verfügung stand, dieser auch an entsprechend zugelassene psychologische Psychotherapeuten zur Durchführung der Psychotherapie schicken konnte, war außerordentlich sinnvoll: Verschiedene Psychosyndrome sind durch körperliche Erkrankungen (etwa Hirntumor oder ein Präkoma) bedingt, obwohl sie rein als Psychosyndrom erscheinen. Die Symptomatik, welche auf eine körperliche Erkrankung hinweist, kann ein Psychologe mangels medizinischer Ausbildung nicht erkennen. Aus diesem Grunde hat die Beseitigung des Delegationsprinzips durch das Psychotherapeutengesetz – von den wirtschaftlichen Problemen ganz abgesehen – auch eine Gefährdung von Patienten herbeigeführt. Auch wenn eine körperliche Diagnostik während einer bei Psychologen durchgeführten Psychotherapie später durchgeführt wird, kann dies ein zu später Zeitpunkt zur Beseitigung der körperlichen Erkrankung sein.
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. A. Ploeger,
Lemierser Berg 119, 52074 Aachen
Anzeige

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote