ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2003Rechtsmedizin: Gegen die Kultur des Misstrauens

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Rechtsmedizin: Gegen die Kultur des Misstrauens

Dtsch Arztebl 2003; 100(43): A-2784 / B-2322 / C-2178

Rinn, Gerhard

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Foto: privat
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Dankenswerterweise verneint Prof. Püschel die am Extremfall des Mordes durch einen Arzt gestellte Frage, ob im Sinne der Behebung eines Kontrollvakuums in der ArztPatienten-Beziehung, die ärztliche Ethik revidiert werden muss. Auch meine Antwort heißt eindeutig nein. Denn es ist noch nicht richtig Geschichte, als „approbierte Töter lebensunwerten Lebens“ mit der äußeren Kontrollinstanz verbunden zum kontrollierten exzessiven Morden übergingen.
Man hat also Grund zur Frage: Wer kontrolliert die Kontrolleure? Ist das fragile Leben durch Kontrolle oder Vertrauen besser geschützt? Es bleibt wie mit Mutter und Kind. Auch im Vertrauen sind wir nicht ungefährdet, aber doch am besten aufgehoben. Dieses Gefährdungspotenzial zu untersuchen und bewusst zu machen ist eine die Gesellschaft betreffende Aufgabe. Wir, die wir die Arzt-Patienten-Beziehung praktizieren, erwarten solche Untersuchungen, um die Vertrauensbasis zu stärken. Im Umkehrschluss sollten wir allen Versuchen entgegentreten, die individuelles Leben als reglementierbare Größe auffassen. Für den Arztberuf bedeutet dies, dass jeder Einzelne und insbesondere unsere Standesvertretung Entwicklungen entgegentritt, die den humanitären Gehalt der ärztlichen Ethik zur Disposition stellen.
Dr. med. Gerhard Rinn, Praxisklinik Mümmelmannsberg,
Oskar-Schlemmer-Straße 15, 22115 Hamburg
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