BÜCHER

Jarhead im Krieg

Dtsch Arztebl 2003; 100(43): A-2785 / B-2324 / C-2179

Swofford, Anthony

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Golfkrieg
Vom alltäglichen Wahnsinn
Anthony Swofford: Jarhead im Krieg. Erinnerungen eines US-Marines. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2003, 304 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, 19,90 €
Nichts scheint schrecklicher als das Warten auf den Krieg. Der Scharfschütze der US-Marines Anthony Swofford ist 1990 nach der Besetzung Kuwaits durch den Irak auf vorgeschobenem Posten in Saudi-Arabien stationiert. Zermürbt durch die stete Alarmbereitschaft im heißen Wüstenklima, durch die Angst vor einem irakischen Giftgasangriff und die Monotonie des Lagerlebens, sehnt er den Ausbruch des Krieges fast schon herbei, nur um dann zu erfahren, dass die Banalität des Krieges weitaus grauenhafter ist. Ohne selbst in Kampfhandlungen verwickelt zu werden, führt ihn der Weg ins befreite Kuwait vorbei an den zahllosen Leichen irakischer Soldaten, die der US-amerikanischen High-Tech-Kriegsführung wehrlos ausgeliefert waren.
Lapidar schildert Swofford die Ausbildung bei den US-Marines (als „Jarheads“ bezeichnen sie sich selbst wegen ihrer kahl geschorenen Schädel), den sinnentleerten Drill, der sie zu Kampfmaschinen macht und ihre Persönlichkeit deformiert. Die Zeit des Wartens auf den Kriegsausbruch ist für ihn gleichzeitig Gelegenheit für eine qualvolle Auseinandersetzung mit dem eigenen Werdegang. Fernab jeder politischen Botschaft vermittelt das Buch Authentizität. Enttäuscht werden diejenigen Leser sein, die ein Kriegstagebuch erwarteten. Thomas Gerst
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