ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2003Investitions- und Kostenplanung: Planspiele am Computer

VARIA: Wirtschaft

Investitions- und Kostenplanung: Planspiele am Computer

Hackel, Sylvia

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Foto: Caro
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Ein interaktives Software-Programm der APO-Bank schärft das betriebswirtschaftliche Beurteilungsvermögen niederlassungswilliger Ärzte.

Ärzte, die ihre Existenzgründung über die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (APO-Bank) finanzieren, werden dabei vom Software-Programm INKO unterstützt. Die Abkürzung steht für INvestitions- und KOstenberatungsprogramm und kann die Niederlassung sowie für einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren die wirtschaftliche Situation einer Arztpraxis simulieren.
Mitte der Achtzigerjahre auf Initiative der APO-Bank in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, Köln, entwickelt, soll INKO angehenden Vertragsärzten die Frage beantworten: „Kann ich mit meiner selbstständigen Tätigkeit die geplanten Praxisinvestitionen finanzieren, die laufenden Kosten abdecken und davon leben?“ Bei der Beratung werden sämtliche Investitionen und Kosten inklusive der Vorstellungen vom frei verfügbaren Einkommen auf Machbarkeit durchleuchtet. Vorteil für den Arzt: Er wird für die betriebswirtschaftlichen „Knackpunkte“ seiner Praxis sensibilisiert und zum Mitdenken veranlasst.
Umfassende Beratung
Zu Beginn der Achtzigerjahre hatte die APO-Bank bei Ärzten stärkere Liquiditätsprobleme beobachtet. Das Grundübel damals wie heute: Ärzte werden während ihres Studiums zwar fachlich gut ausgebildet, jedoch nicht auf eine eventuelle Selbstständigkeit vorbereitet. Heute sind sich junge Ärzte bewusst, dass sie als Praxisinhaber auch wirtschaftlich denken müssen. Die erforderlichen Kenntnisse werden in der Ausbildung jedoch weiterhin nicht vermittelt. Dadurch steigt die Gefahr, dass der Arzt in die Schuldenfalle tappt.
Allgemeinmediziner, Dermatologe oder Internist, Einzel- oder Gemeinschaftspraxis, Neugründung oder Übernahme, zwei oder drei Großgeräte, zehn oder zwanzig Stühle für das Wartezimmer: In einer Beratung lässt sich jeder Sprung in die Freiberuflichkeit simulieren – von den Praxisinvestitionen und Kosten bis zur Auswertung, der Ermittlung des erforderlichen Umsatzes beziehungsweise der Scheinzahl.
Im ersten Teil des Programms werden die Investitionen unter die Lupe genommen. Bereits in dieser Phase ist der Arzt gefordert, in den Dimensionen eines Betriebswirts zu denken. Im Beratungsgespräch gibt er an, welche medizinisch-technischen Geräte er anschaffen will, wie er seine neue Praxis einrichten möchte, ob Umbauten nötig sind und wie viel die EDV-Ausstattung kosten soll. Wenn eine Praxis übernommen wird, fließt hier auch der immaterielle Praxiswert ein. „Spielen“ ist ausdrücklich erwünscht, denn nur so lässt sich feststellen, was wie am besten passt. Der Arzt kann jeden Rechenschritt und damit alle Konsequenzen am Bildschirm verfolgen, zum Beispiel wie sich die Investitionssumme verändert, wenn er medizinisch-technische Geräte nur im Wert von 30 000 Euro statt für 40 000 Euro anschafft.
Das Programm ist darüber hinaus mit einer Datenbank ausgestattet, die Durchschnittswerte zu Investitionshöhe, Fallzahlen und Kostenstrukturen für die jeweiligen Fachgebiete enthält – Erfahrungswerte, die die APO-Bank über Jahre hinweg gesammelt hat. Bei sämtlichen Betrachtungen werden die steuerlichen Aspekte berücksichtigt. So wird beispielsweise durch Eingabe der Abschreibungsdauer automatisch die jährliche Abschreibungssumme in die Auswertung aufgenommen.
Steht die Investitionshöhe fest, überlegen Arzt und Berater, wie diese finanziert werden soll. Ziel ist es, die Finanzierung so zu gestalten, dass sie für den Arzt unter Berücksichtigung von Liquiditätsaspekten und Steuereffekten optimal ist. Dazu können je nach Vermögen des Arztes Tilgungsdarlehen, Kontokorrentkredite oder Förderdarlehen der Deutschen Ausgleichsbank beitragen. Bedingungen, die sich während der Kreditlaufzeit ändern, zum Beispiel die Höhe der Tilgungen oder Abschreibungen, werden ebenfalls in der Planung mit berücksichtigt.
Der Arzt, der wirtschaftlich erfolgreich sein will, muss sämtliche Kosten im Griff ha-ben. Voraussetzung dafür ist, dass er weiß, welche Personalkosten, Raumkosten und sonstigen Kosten er zu bestreiten hat. Der Berater kann dem Kunden die Kostenstruktur der Praxis detailliert aufzeigen. Besonders wichtig ist das bei den Personalkosten, meistens der größte Teil der Praxiskosten. „Wie teuer sind zwei Arzthelferinnen in Vollzeit?“ Diese Frage lässt sich mit wenigen Klicks und Eingaben beantworten. Dabei hilft die INKO-Datenbank, in der neben den Branchenzahlen auch die aktuellsten Tarifverträge zu finden sind. Aufgeführt werden das tarifliche Bruttogehalt, vermögenswirksame Leistungen, der Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung, der Beitrag zur Berufsgenossenschaft und Ausbildungskosten.
Die Mindest-Fallzahl
Eine Rolle spielen auch die Raumkosten. Wer diese mit der Kaltmiete pro Quadratmeter gleichsetzt, läuft Gefahr, sich zu verrechnen. Mit der Software lässt sich der finanzielle Aufwand für Heizung, Strom, Wasser, Reinigung und Instandhaltung kalkulieren. Außerdem werden Kosten wie Praxis- und Laborbedarf, Versicherungen und Beiträge, KV-Verwaltungskosten, Kraftfahrzeugkosten und Leasing berücksichtigt.
In der Auswertung führt INKO alle betrieblichen, privaten und steuerlichen Faktoren zusammen. Das kann beispielsweise so aussehen: „Aufgrund der von Ihnen gemachten Angaben sind zur Realisierung Ihrer Existenzgründung Mindesteinnahmen der Praxis von 174 119 Euro im ersten Jahr erforderlich. Bei einem KV-Umsatzanteil von 90 Prozent ergeben sich Einnahmen für Privatpatienten und sonstige Einnahmen von 17 412 Euro sowie erforderliche KV-Einnahmen von 156 707 Euro. Die erforderlichen KV-Einnahmen entsprechen bei einem angenommenen Fallwert von 38,40 Euro einer erforderlichen Fallzahl pro Quartal von 1 020.“ Sylvia Hackel
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