ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2003Glitschiges Laub: Der Gehsteig muss begehbar bleiben

Versicherungen

Glitschiges Laub: Der Gehsteig muss begehbar bleiben

Dtsch Arztebl 2003; 100(43): [63]

Buner, Wiebke

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LNSLNS Wie im Winter muss auch im Herbst vor der eigenen Tür gekehrt werden.

Glatteis ohne Frost“ nennen Haftpflichtversicherer das Herbstlaub auf Bürgersteigen. Die bunten Blätter bilden besonders bei Nässe eine glitschige Schicht unter dem Druck von Schuhsohlen. Die Rutschgefahr besteht rund um die Uhr, die Haftung ebenso. Denn wie bei der winterlichen Räum- und Streupflicht besteht im Herbst die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Gehsteige für Fußgänger gefahrlos zu begehen sind.
Im Regelfall haben die Gemeinden die Pflicht zum Kehren der Bürgersteige auf die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke übertra-gen. Die Eigentümer wiederum vereinbaren üblicherweise mit ihren Mietern, dass diese für Sauberkeit auf dem Bürgersteig zu sorgen haben; sie wohnen schließlich näher am Gefahr bringenden Objekt. Doch rechtlich bleibt der Vermieter verantwortlich dafür, dass vor seinem Haus alles mit rechten Dingen zugeht. Ein „laubgeschädigter“ Passant muss sich also zunächst an den Vermieter wenden, der wiederum auf den beauftragten Mieter zurückgreifen kann.
Komplexe mit Eigentumswohnungen sind ein besonderer Fall. Hier sind alle Wohnungseigentümer gemeinsam verpflichtet, dass vor dem Anwesen gekehrt ist. Ein verunglückter Fußgänger kann sich demnach mit berechtigten Ansprüchen an allen Eigentümern schadlos halten. Er kann sich sogar einen von ihnen „aussuchen“; mag dieser dann zusehen, wie er das Geld von den übrigen Eigentümern zurückerhält. Die Haftung der Eigentümer besteht auch dann, wenn Bewohner von Eigentumswohnungen des Hauses nicht gleichzeitig Eigentümer, sondern lediglich Mieter sind.
Wie kann man sich gegen die Schadenersatzforderungen von Fußgängern, die sich verletzt haben, versichern? Die Privathaftpflichtversicherung hilft Besitzern von selbstgenutzten Eigenheimen, Eigentums- und Ferienwohnungen. Für Besitzer von Mehrfamilienhäusern oder von vermieteten Einfamilienhäusern tritt deren Haus- und Grundeigentümer-Haftpflichtversicherung ein. Für einen betroffenen Mieter kann es wichtig sein, über eine Privathaftpflichtversicherung zu verfügen – und zwar für den Fall, dass er vom Vermieter oder dessen Versicherung schadenersatzpflichtig gemacht wird, weil er seiner aus dem Mietvertrag resultierenden Pflicht nicht nachgekommen ist, den Bürgersteig zu fegen und so begehbar zu halten.
Wie oft und wie gut vor der eigenen Haustür gekehrt werden muss, hängt vom Einzelfall an. Türmt sich das Laub, so muss häufiger gekehrt werden. Andererseits ist es den Hausbesitzern/Mietern nicht zuzumuten, den ganzen Tag „Besen bei Fuß“ zu stehen. Das bedeutet: Nicht jeder Unfall auf laubbedecktem Boden zieht automatisch Schadenersatzansprüche der Geschädigten nach sich. Entsteht darüber Streit, so prüfen die Richter, ob nicht ein zu sorglos (unvernünftiges) Verhalten des Fußgängers zum Unfall geführt hat. WB
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