ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1996Proteasehemmer Saquinavir: Langzeitpartner der HIV-Therapie

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Proteasehemmer Saquinavir: Langzeitpartner der HIV-Therapie

Dtsch Arztebl 1996; 93(46): A-3040 / B-2572 / C-2284

Sass, Wolfgang

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LNSLNS Fundamentale Besserungen des Gesundheitszustandes von HIV-Infizierten sind heute möglich, nicht dagegen die Elimination der Viren, also aller latent infizierten Zellen auch aus dem lymphatischen Gewebe. Die jetzt im Plasma meßbaren Viren (viral load) sind gegenüber denjenigen im lymphatischen Gewebe nur "die Spitze des Eisbergs". Als Perspektive bietet sich auch heute nur die Unterdrückung der Krankheitsprogredienz, eventuell erfolgreich durch lebenslange Dauertherapie, mit bisher unbekannten Langzeitwirkungen. Die Mehrfachtherapie mit Zusatz von Proteasehemmern wie d4T, 3TC, Saquinavir, Ritonavir und Indinavir wird heute als Meilenstein der Behandlung von HIV-Infizierten angesehen. Doch ist der Therapieerfolg nur so gut wie die Zuverlässigkeit des Patienten, emotionale Akzeptanz der Therapie also Voraussetzung. Monotherapie sei bei AIDS nicht mehr indiziert, betonte Dr. Werner Becker (München) anläßlich der Einführungspressekonferenz des Proteasehemmers Saquinavir (Invirase®, Hoffmann-La Roche). Bei Versagen der Zweifachtherapie mit zwei Reverse-Transcriptase-Hemmern, darunter eines liquorgängigen wie AZT, kommt eine Tripeltherapie mit Zusatz eines Proteasehemmers in Betracht. Wegen Gefahr der Resistenzzüchtung sollte man immer in voller Dosis therapieren – sonst vielleicht besser gar nicht, warnte Becker. Steigt trotz Zweifachtherapie die Virusbelastung über 3 000 (HIV-RNA-Kopien pro Milliliter), empfiehlt es sich, mit der Dreifachtherapie zu beginnen. Bei asymptomatischen Patienten, so Beckers Einschätzung, sollte man bei Virämie über 30 000 auch bei normaler CD4-Helferzellzahl behandeln. Nach zunächst "dramatischem Absinken" steige die Virusbelastung nach Absetzen "exakt" wieder auf den alten Wert. Die Virusbelastung "zeigt die Geschwindigkeit des Zuges zum Abgrund", die CD4-Helferzellzahl "die Entfernung vom Abgrund", so Dr. Hans-Jürgen Stellbrink (Hamburg-Eppendorf). Bei massiv mit Zweifachtherapie Vorbehandelten entspreche die Tripeltherapie unter Zusatz etwa des Proteasehemmers Saquinavir im wesentlichen einer Saquinavir-Monotherapie. Bei Unbehandelten sei der Effekt viel größer.
Nach Mahlzeiten
Saquinavir hemmt hochselektiv ausschließlich retrovirale HIV-Protease, keine anderen Enzyme. Bei Resistenz der Viren sind andere Proteasehemmer weiterhin wirksam: die Substanz zeigt die geringste Kreuzresistenz mit anderen Proteasehemmern, so Dr. Jan Mous (Hoffmann-La Roche, Basel).
Die Aufnahme in den Körper ist nur innerhalb von zwei Stunden nach Mahlzeiten ausreichend (Dosis: dreimal 600 mg täglich). Wenige Wechsel- und Nebenwirkungen lassen Saquinavir in Kombination mit einem liquorgängigen Reverse-Transcriptase-Hemmer wie AZT auch zur Frühtherapie geeignet erscheinen. Insgesamt ändern sich Konzepte und Therapieschemata zur Zeit aufgrund ständig hinzukommender Daten sehr schnell, betonten die anwesenden Experten. Wolfgang Sass
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