ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Praxisgebühr: Nicht ablenken lassen

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Praxisgebühr: Nicht ablenken lassen

Dtsch Arztebl 2003; 100(44): A-2821 / B-2349 / C-2205

Rieser, Sabine

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LNSLNS Die Praxisgebühr war nicht unsere Idee. Wir setzen die Vorgaben um, weil wir es müssen.“ Darauf hat Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm vergangene Woche hingewiesen – zum wiederholten Mal. Der Erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) reagierte, weil die Proteste gegen den Gebühreneinzug anhalten und die KBV manchen Vertragsärzten als Mitverursacherin des Übels gilt. Sie hat derweil ein Umsetzungskonzept vorgelegt und verhandelt mit den Krankenkassen. Möglichst klare Regelungen, möglichst wenig Ausnahmen – so lautet der Grundsatz.
Auch eine Verwaltungsgebühr für die Ärzte steht auf dem Wunschzettel der KBV. Dass sich gerade dieser erfüllt, ist unwahrscheinlich. Die Krankenkassen brauchen jeden Cent und werden deshalb ohne Druck keine Konzessionen machen.
Der ist jedoch nicht zu erwarten. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) hat betont, die Ärzte hätten keinen Anspruch auf eine Bearbeitungsgebühr. Ihr Berater Prof. Dr. med. Karl Lauterbach schob in der „Bild“ eine eigenwillige Interpretation nach. „Für das Kassieren des eigenen Honorars eine Gebühr zu verlangen ist mehr als dreist“, zitierte ihn das Blatt. Dessen Leser fanden das sicher auch – nicht ahnend, dass der Professor ihnen Falsches suggerierte. Denn Lauterbach verschleiert, dass die Praxisgebühr kein Honorar ist, sondern ein Durchlaufposten für die Kassen.
Dass die Praxisgebühr die Vertragsärzte ärgert, ist nachvollziehbar. Dass sie sich so sehr zu verbeißen scheinen, ist besorgniserregend. Schließlich sind sie in Zukunft noch von Änderungen ganz anderen Kalibers betroffen. Beispiel: Neuregelungen zur Integrierten Versorgung. Große Krankenhausträger hätten bereits Blaupausen in den Schubladen und einen deutlichen konzeptionellen Vorsprung gegenüber den niedergelassenen Ärzten, behauptet Birgit Mickley, Referatsleiterin im Ge­sund­heits­mi­nis­terium Nordrhein-Westfalen. Mickley diskutierte in der vergangenen Woche bei einer KBV-Veranstaltung mit und warnte: Die Vertragsärzte müssten überlegen, ob sie auf dem Feld der Integrierten Versorgung ihre Rolle gern zugewiesen hätten – oder ob sie sie gestalten wollten. Das ist hier möglich – anders als bei der Praxisgebühr. Sabine Rieser
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