ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1996Börsebius über Daimler: Sand im Getriebe

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Daimler: Sand im Getriebe

Dtsch Arztebl 1996; 93(6): [40]

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Daimler-Benz AG, Stuttgart, stellt die weitere Unterstützung für den niederländischen Flugzeughersteller Fokker ein." Mit diesem trockenen Satz auf der jüngsten außerordentlichen Aufsichtsratssitzung besiegelte der schwäbische Weltkonzern das Schicksal der flügellahmen Holländer.
Obwohl alleine das Fokker-Debakel die Bilanz in diesem Jahr mit rund 2,5 Milliarden Mark außerordentlichem Aufwand belasten wird, reagierten die Börsianer guten Mutes auf diese Nachricht. Auch die saldierte horrible Verlustsumme von insgesamt 6 Milliarden Mark – das ist ein noch nie erreichtes Defizit in der Unternehmensgeschichte – schreckte von da ab keinen mehr.
Die Kursnotiz von Daimler legte kräftig zu und übersprang mühelos die Marke von 800 Mark. Banken und Börsen blasen mittlerweile wieder zum Kauf von Daimler. Jetzt sei alles ausgestanden, sagen sie, der Konzern wieder auf dem Weg nach oben. Ist das wirklich so? Lohnt ein Einstieg bei Daimler auf Dauer?
Zunächst einmal ist es in der Tat richtig, daß der neue Vorstandsvorsitzende in der Stuttgarter Zentrale Tabula rasa veranstaltet. Jürgen Schremp ließ nicht nur Fokker über die Klinge springen, sondern er schloß auch das Milliarden-Verlustloch bei der AEG. Von Dornier will sich der harte Sanierer ebenfalls trennen, koste es, was es wolle.
Das ist ja alles gut und schön. Aber bei einigem Innehalten muß einem schon dämmern, daß der, der das Boot (Fokker, AEG) jetzt absaufen ließ, lange genug persönlich mit an Bord war, also höchstselbst für eine verfehlte Unternehmenspolitik geradesteht. Ich will damit sagen, daß es keine Garantie dafür gibt, daß zwar die Stolpersteine der Vergangenheit ausgeräumt werden, aber das Top-Management zukünftig neuen Verlustgefahren nicht gekonnt in die Arme fällt. Mit anderen Worten: Wer traut schon einem schlechten Schafhirten, nur weil er einige schwarze Schafe geopfert hat, zu, daß er fürderhin seinen Job ganz prima macht? Um es auf den Punkt zu bringen: Die Börsianer sind deswegen begeistert, weil Daimler-Benz seine hochriskanten Technologieausflüge beendet hat und sich auf seine Stärken als Nobelhersteller von Autos besinnt.
So richtig das Prinzip "Schuster, bleib bei Deinen Leisten" auch ist, so sehr lauern hier konkret Gefahren. Mercedes peilt neue Nischen an und will auch bei Vans und Kleinwagen mitmischen. Doch das kann ganz schön ins Auge (und ins Geld) gehen, weil die Konkurrenz in diesen Marktbereichen stark vertreten ist. Dazu kommt noch die Neuregelung der Besteuerung von privat genutzten Dienstwagen, die Luxuskarossen drastisch benachteiligt. So gesehen wäre es kein Wunder, wenn aus dem Goldesel Mercedes eine Pechmarie würde. Börsebius
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema