ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Multiple Sklerose: Auch Kinder sind betroffen

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Multiple Sklerose: Auch Kinder sind betroffen

EB

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LNSLNS Pro Jahr erkranken in Deutschland mindestens 50 Kinder an multipler Sklerose (MS). Das hat eine Studie der Universität Göttingen unter Leitung von Prof. Dr. Folker Hanefeld ergeben. Die Betreuung und Behandlung der jungen Patienten erweise sich als schwierig, sagte Hanefeld auf dem MS-Weltkongress in Berlin: „Ein Dilemma liegt darin, dass sich zwar viele Neurologen mit multipler Sklerose auskennen, aber weniger mit Kindern.“ Andererseits seien Kinderärzte erfahren im Umgang mit den jungen Patienten, wüssten aber wenig über die Symptome der MS. Die Krankheit bleibe deshalb bei Kindern häufig unerkannt.

Hanefeld und sein Team führten von 1997 bis 1999 eine „Erhebung seltener pädiatrischer Erkrankungen in Deutschland“ durch, in deren Rahmen bundesweit alle Verdachtsfälle auf MS nach Göttingen gemeldet wurden. Die Wissenschaftler erforschten den Verlauf und die Häufigkeit von MS bei Kindern zwischen drei und 16 Jahren. „Die Studie bietet die Chance, jene Faktoren in der Frühphase zu erkennen und zu analysieren, die für die MS-Erkrankung verantwortlich sind“, betonte Hanefeld. Die Datensammlung sei weltweit einzigartig. Lange sei man davon ausgegangen, dass die MS fast ausschließlich zwischen dem 20. und
40. Lebensjahr ausbricht. Die Erkenntnis, dass es die Erkrankung auch im Kindes- und Jugendalter gibt, müsse sich erst noch durchsetzen, erklärte Hanefeld. Für an MS erkrankte Kinder und ihre Eltern bedeute das oft einen jahrelangen, belastenden Weg bis zur eindeutigen Diagnose und bis zum Beginn einer Therapie.

Die Studie hat auch gezeigt, dass mit Einsetzen der Pubertät die Zahl der Erkrankungen steigt – ein Indiz für einen hormonellen Einfluss auf den Ausbruch der Krankheit. Die Ursachen, die zu MS führen, sind trotz intensiver Forschung noch weitgehend unbekannt. Die häufigsten Symptome bei Kindern und Jugendlichen sind Sehstörungen, Gleichgewichts- oder Koordinationsstörungen sowie Taubheitsgefühle. Seltener treten Lähmungen oder epileptische Anfälle auf. Besonders junge Menschen mit MS haben spezielle Bedürfnisse an die Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Erkrankung. EB
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