ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Rezeptfreie Arzneimittel: Ausschluss nicht sinnvoll

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Rezeptfreie Arzneimittel: Ausschluss nicht sinnvoll

Dtsch Arztebl 2003; 100(44): A-2826

Korzilius, Heike

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Ab dem 1. Januar 2004 müssen Patienten nicht verschreibungspflichtige Medikamente selbst bezahlen. Foto: phalanx
Ab dem 1. Januar 2004 müssen Patienten nicht verschreibungspflichtige Medikamente selbst bezahlen.
Foto: phalanx
Krankenkasse befürchtet Ausgabensteigerungen.

Der Ausschluss von rezeptfreien Arzneimitteln aus der Leistungspflicht der Krankenkassen ist medizinisch nicht sinnvoll und kann statt zur Kostensenkung zu Ausgabensteigerungen führen. Davor hat die Hamburg Münchener Krankenkasse gewarnt. Hintergrund ist eine entsprechende Regelung im GKV-Modernisierungsgesetz, das am 1. Januar 2004 in Kraft tritt.
Die Hamburg Münchener beruft sich auf eine Untersuchung, die sie gemeinsam mit der Gesellschaft für Statistik im Gesundheitswesen (GfS) über die Folgen des geplanten Ausschlusses durchgeführt hat. Ausgewertet wurden nach Kassenangaben rund 900 000 Rezepte des 4. Quartals 2002 mit einem Gesamtvolumen von 30,1 Millionen Euro. Danach betrafen 27 Prozent aller Verordnungen rezeptfreie Medikamente, die aber nur 9,5 Prozent der Arzneimittelausgaben ausmachten. Durchschnittlich kostete ein rezeptfreies Arzneimittel 11,75 Euro, ein verschreibungspflichtiges hingegen 30 Euro. Zu den drei umsatzstärksten Einsatzbereichen der rezeptfreien Präparate gehörten Magen-Darm-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege und Erkältungskrankheiten sowie Mineralstoffpräparate. Dabei habe eine Auswertung der medizinischen Indikationen beispielsweise ergeben, dass es zur Behandlung der exokrinen Pankreasinsuffizienz keine Alternative gebe, als die fehlenden Verdauungsenzyme in ausreichender Dosis von außen zuzuführen. „Eine Reihe von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln kann medizinisch notwendig und zweckmäßig, aber auch wirtschaftlich sein“, folgerte Dieter Baltzer, Vorstand der Hamburg Münchener. GfS-Geschäftsführer Jamshid Javdani befürchtet zudem, dass den Versicherten künftig verschreibungspflichtige Arzneimittel unkritisch als Alternative verordnet werden, die potenziell nebenwirkungsreicher und teurer sein könnten. Insofern spielten nicht verschreibungspflichtige Medikamente auch eine kostendämpfende Rolle.
Neben verschiedenen Pharmaverbänden hat sich auch die Initiative „Naturarznei hilft“ gegen den Ausschluss nicht verschreibungspflichtiger Präparate ausgesprochen. Er betrifft einen Großteil der pflanzlichen, anthroposophischen und homöopathischen Arzneimittel. Die Initiative vertritt Verbände aus den entsprechenden Fachrichtungen. HK
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