ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1996Boston: Die Wiege Amerikas

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Boston: Die Wiege Amerikas

Dtsch Arztebl 1996; 93(46): A-3043 / B-2450 / C-2208

Berg, Detlef

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LNSLNS Fällt der Name Boston, denkt jeder gleich an "Tea Party", den Geschichte gewordenen Begriff für den Aufstand, der im Dezember 1773 damit begann, daß Kisten mit verzolltem englischen Tee im Hafenwasser landeten. Kurze Zeit danach begann der Bürgerkrieg, der knapp drei Jahre später, am 4. Juli 1776, mit der Unabhängigkeitserklärung endete. Amerika war geboren. Keine Stadt ist wohl enger mit der Geschichte der Vereinigten Staaten verbunden als Boston.
Heute kann der Besucher auf einem 4,5 Kilometer langen Spaziergang sechzehn historische Sehenswürdigkeiten aus der Kolonialzeit und dem Zeitalter der Revolution kennenlernen. Der Freedom Trail, der Weg der Freiheit, zeigt gleich einem Ariadnefaden aus roten Ziegelsteinen den Weg. Nicht von ungefähr beginnt der Trail auf dem Common, könnte doch schon allein dieses Stück Grün Buchfüllendes über die Stadt erzählen. Schließlich ist es die älteste Parkanlage Nordamerikas. Über dem Common thront auf einer kleinen Anhöhe das State House, von dem aus der Bundesstaat Massachusetts seit 1798 regiert wird. Weiter führt der Pfad zu Kirchen, Friedhöfen und Versammlungshäusern. Auch das schlichte Haus des Silberschmieds Paul Revere liegt am Weg. Der Freiheitskämpfer gilt als berühmtester Sohn der Stadt. Sein Grab auf dem Old Granary Churchyard ist stets mit frischen Blumen geschmückt. Seine Heldentat vollbrachte Revere 1775, als er zu einem nächtlichen Ritt aufbrach, um die Bürger von Lexington und Concord vor dem anrückenden Feind zu warnen. Durch den Dichter Longfellow wurde dieser Ritt vor dem ersten Gefecht der amerikanischen Revolution zur Heldenballade.
Nach soviel Geschichte ist erstmal eine Pause nötig, vielleicht in der Fußgängerzone rund um den Quincy Market mit seinen Musikern, Jongleuren und Zauberern. Hier und in der angrenzenden Faneuil Hall kann man auch gut einkaufen oder sich mit einem Teller Clam Chowder, der berühmten dicksämigen Fischsuppe Neuenglands, stärken. Auch Lobster, frischer Hummer, steht zu zivilen Preisen auf fast jeder Speisekarte.
Malerische kopfsteingepflasterte Gassen, Gaslaternen und schöne alte Häuser, das ist Beacon Hill, Bostons feinster, auf einem kleinen Hügel gelegener Stadtteil. In der Charles Street, am Fuße von Beacon Hill, findet man unzählige Antiquitätenläden, kleine Geschäfte, Kneipen und Cafés.
Lebhaft geht es auch im europäisch geprägten Viertel Back Bay zu. Ein Spaziergang auf der Newbury Street führt an exklusiven Geschäften und Boutiquen, an zahlreichen Kunstgalerien und Gartencafés vorbei. Doch spätestens in der Boylston Street wird er sichtbar, der Hancock Tower, ein 241 Meter hoher Wolkenkratzer. Von seiner Aussichtsplattform erhält man einen wunderbaren Blick über die Stadt und ihre Umgebung. Doch der Palast aus Beton und Glas ist nicht die einzige Attraktion am Copley Square. Im höchsten Gebäude Bostons spiegeln sich die Umrisse der Trinity Church aus dem 19. Jahrhundert, eine faszinierende Kombination von Altem und Neuem, von Vergangenheit und Gegenwart.
Sportbegeisterte werden sich nicht entgehen lassen, im Fenway-Parkstadion die Baseball-Schlachten zwischen den heimischen Red Sox und konkurrierenden Mannschaften zu verfolgen. Eine ausgelassene Menschenmenge versammelt sich auch traditionell am 23. Oktober auf der Esplanade, um über 100 Ruderboote anzufeuern, die an der "Head of the Charles"-Regatta teilnehmen. 200 Universitäten und internationale Ruderclubs nehmen an diesem alljährlichen Spektakel teil.


Kulturstadt
Ein fester Bestandteil Bostons ist die Kultur. Mit dem Museum of Fine Arts besitzt die Stadt eine der bedeutendsten Sammlungen amerikanischer, europäischer und orientalischer Kunst. Und wer kennt nicht das Boston Symphony Orchestra und seinen Dirigenten Seiji Ozawa? Nicht zu vergessen die Boston Pops, die an eine alte Tradition von Promenadenkonzerten mit "leichterer Musik", zu denen Erfrischungen gereicht werden, anknüpfen. Alljährlicher Höhepunkt ist das Freiluftkonzert am Unabhängigkeitstag in der Hatch Shell am Charles River. Am anderen Ufer des Flusses: Cambridge mit Harvard-Universität und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die enge Verknüpfung von Lehre und Forschung ist Grundlage für den Aufstieg des MIT zu einer High-Tech-Schmiede, die heute in vieler Hinsicht weltweit führend ist.
Auch die Umgebung Bo-stons bietet Interessantes. Dort, wo vor 375 Jahren die Pilgerväter die amerikanische Küste erreichten, etwa 50 km südlich von Boston, veranschaulicht auf höchst lebendige Weise das Museumsdorf Plimoth Plantation das Leben anno 1627. Im Hafen von Plymouth kann ein originalgetreuer Nachbau der legendären Mayflower besichtigt werden.
Im Süden, nur wenige Kilometer weiter, liegen die Prominenteninseln Nantucket Island und Martha’s Vineyard sowie das sichelförmige Cape Cod mit seinen herrlichen Sandstränden. Streßgeplagte Großstädter zieht es oft in die Berkshires im Westen von Massachusetts, etwa drei Autostunden von Boston entfernt. Die bewaldeten Hügel von Berkshire Hills, die quer durch den Nordwesten des Staates verlaufen, sind im Herbst ein farbenprächtiger Anblick. Detlef Berg


Anreise: Unter anderem fliegen USAir und Lufthansa Boston von Frankfurt/M. direkt an. Von dort kann man öffentliche Busse oder besser einen Mietwagen benutzen.


Unterkunft: Es stehen zahlreiche Unterkünfte aller Kategorien zur Verfügung. Während der Zeit der Laubfärbung im September und Oktober ist eine vorherige Reservierung erforderlich.


Klima: Gemäßigtes Klima mit ausgeprägten Jahreszeiten.


Auskünfte: Herzog HC, Borsigallee 17, 60388 Frankfurt/M., Tel 0 69/41 12 37.


Literatur: Onno Reiners: Boston & Neuengland, Reise-Taschenbuch, DuMont-Verlag, 19,80 DM.

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