ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Internisten: Chancen der Reform nutzen

POLITIK

Internisten: Chancen der Reform nutzen

Dtsch Arztebl 2003; 100(44): A-2832 / B-2358 / C-2214

Korzilius, Heike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Berufsverband plädiert für sinnvolle Kooperation mit den Krankenhäusern.

Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) sieht sich vor großen Herausforderungen. Zum einen betreffen die Regelungen des GKV-Modernisierungsgesetzes, das am 1. Januar 2004 in Kraft treten wird, in hohem Maß die eigene Klientel. Es sieht beispielsweise vor, dass die Krankenhäuser für bestimmte ambulante Leistungen geöffnet werden und die Krankenkassen ihren Versicherten künftig Hausarztmodelle anbieten müssen, wobei sie mit besonders qualifizierten Hausärzten Einzelverträge abschließen können. Zum anderen hadert der Verband nach wie vor mit der Verschmelzung der Fächer Innere und Allgemeinmedizin, wie sie der Deutsche Ärztetag im Mai beschlossen hat. Dabei vollführt der BDI den schwierigen Spagat, die Interessen von hausärztlichen und fachärztlichen Internisten sowie von Klinikern und Niedergelassenen vertreten zu wollen.
Absage an Billigvorstellungen
„Für Internisten gibt es keine unterschiedliche Medizin in der Niederlassung oder im Krankenhaus“, betonte BDI-Präsident Dr. med. Gerd Guido Hofmann am 20. Oktober in Wiesbaden bei einer ersten Analyse des Reformgesetzes. „Unsere Stärken liegen in der wissenschaftlich fundierten Diagnostik und Behandlung und in der effizienten Koordination der Behandlungsschritte bei spezialisierten Kollegen.“ Deshalb appellierte der Verband an die niedergelassenen Internisten, die Öffnung der Krankenhäuser auch als Chance zu begreifen. „Wenn es hier zu sinnvollen Kooperationen zwischen Krankenhäusern und Niedergelassenen kommt, können beide Seiten davon profitieren“, sagte der Ärztliche Geschäftsführer des BDI, Prof. Dr. med. Peter Knuth. So könne man beispielsweise gemeinsam teure Medizintechnik nutzen, und die Krankenhäuser müssten – auch vor dem Hintergrund des Ärztemangels und des neuen Arbeitszeitgesetzes – keine Ärzte für die ambulante Behandlung abstellen oder neu einstellen. „Die Zukunft der fachärztlichen Internisten hängt vom Gelingen der integrierten Versorgungsverträge ab“, so BDI-Präsident Hofmann. Angesichts solcher strukturellen Veränderungen ist Kooperation auch die Devise im niedergelassen Bereich. Klarer Favorit: Der Zusammenschluss verschiedener Fachbereiche in einem Versorgungszentrum „in freiheitlich freiberuflicher Form“.
Doch auch den Hausärzten unter den Internisten will der Verband eine Heimat geben. Ein Dorn im Auge sind ihm von daher die vagen gesundheitspolitischen Vorgaben zu Hausarztmodellen und besonders qualifizierten Hausärzten. In diesem Zusammenhang wehrt sich der BDI nach wie vor gegen die Verschmelzung der Inneren mit der Allgemeinmedizin. Es könne nicht angehen, so Hofmann, dass die Internisten ihre Weiterbildung an Billigvorstellungen orientieren, wie sie bei den Kassen bisweilen im Zusammenhang mit dem Hausarzt als Gatekeeper auftauchen. Es gebe in der Weiterbildung kein Fachgebiet „Hausarzt“, sondern nur sozialrechtliche Vorgaben, die den Hausärzten künftig hauptsächlich Dokumentation, Zusammenführung, Bewertung und Aufbewahrung der wesentlichen Behandlungsdaten zuweisen. „Für Internisten kann das Aktensammeln nicht das herausgehobene Tätigkeitsmerkmal sein“, kritisierte Hofmann. Das heiße aber auf keinen Fall, dass Internisten keine Hausärzte mehr sein sollten. „Im Interesse einer effizienten medizinischen Versorgung müssen die Internisten mit ihrer hoch qualifizierten Weiterbildung auch an der sozialrechtlich definierten hausärztlichen Versorgung teilnehmen können“, forderte Hofmann. Dafür müsse es auch in Zukunft eine Weiterbildung mit entsprechendem Abschluss zum Internisten ohne Schwerpunkt geben. Der Arzttypus, den der Deutsche Ärztetag im Mai in Köln kreiert habe, könne diese Anforderungen nicht erfüllen. Heike Korzilius
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema