ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Ärztemangel: Weiterbildungszirkus ersetzen
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LNSLNS Der Bericht nennt wesentliche Gründe für den sich ausbreitenden Ärztemangel, blendet andere Ursachen jedoch aus: die Bedingungen der
fachärztlichen Weiterbildung. Während andere Staaten seit Jahrzehnten „Komplettprogramme“ mit vorab feststehenden Klinikrotationen anbieten, sodass ein qualifizierter Bewerber in seiner Lebens- und Familienplanung auf sicheren Beinen steht, ist hier der Jungarzt eher der Dumme: Jeder weiß, welche Mühen erforderlich sind, etwa das Weiterbildungscurriculum zum Allgemeinmediziner zusammenzubekommen. Und die Anforderungen steigen immer weiter, wie etwa die neue fünfjährige Weiterbildungsordnung für die Allgemeinmedizin eindrucksvoll zeigt. Chirurgische Assistenzärzte müssen jahrelang zittern, ihre OP-Kataloge vollzubekommen, und mehrjährige Verzögerungen bis zur Zulassung zur Facharztprüfung sind möglich. Die Sahnehaube bildet dann die große Menge an außerdienstlichen Kursen (80 Stunden, 240 Stunden, über 500 Stunden – je nach dem), die insbesondere in den psychosozialen Fachgebieten absolviert werden müssen. Sie nehmen teilweise das Volumen einer zweiten Teilzeitanstellung an – nur mit dem Unterschied, dass diese nicht nur kein Geld einbringt, sondern teuer bezahlt werden muss.
Da ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Kollegen nach Alternativen umsehen. Anstatt – wie der Artikel es vormacht – nur mit dem Finger auf die Politik zu zeigen, könnte hier die Selbstverwaltung die Not der Stunde nutzen, indem sie nicht nur Subventionen für weiterbildungswillige Arztpraxen ausschüttet, sondern den jetzigen „Weiterbildungszirkus“ durch intelligente und vernetzte Strukturen ersetzt, die für Ärzte in der Weiterbildung ein Mindestmaß an Verlässlichkeit und Arbeitsqualität offeriert. Davon würden nicht zuletzt auch die Patienten profitieren.
Dr. med. Arne Schäffler, Sollner Straße 53, 81479 München

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