ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Ärztemangel: Von außen betrachtet

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Ärztemangel: Von außen betrachtet

Dtsch Arztebl 2003; 100(44): A-2856 / B-2374 / C-2231

Prümmer, Nico

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LNSLNS Leidet Ihr denn an kollektivem Gedächtnisschwund? Nicht lange ist es her, da wurde der ärztliche Nachwuchs mit Füßen getreten wie in kaum einem anderen Berufszweig. Unter dem Applaus der Ärzteschaft wurde eine Hürde nach der anderen aufgestellt: Medizinertest, immer neue Studienprüfungen mit bewusst hohen Durchfallquoten (Skandalphysikum Ende der 80er), Einführung des AiP, Abschaffung des praktischen Arztes, ständige Verschärfungen der Weiterbildungskataloge oder Beschränkungen der Niederlassungsfreiheit dienten vordergründig der verbesserten Qualität. Ihr eigentliches Ziel aber war die Sicherung der eigenen Pfründe gegenüber dem Schreckgespenst einer angeblichen Ärzteschwemme. Chefärzte warfen Bewerbungsunterlagen ungelesen in den Müll, jungen Kollegen wurden unverhohlen Vollzeitstellen bei Teilzeitbezahlung angeboten. Andere wurden weit unter Tarif in Landarztpraxen ausgenommen oder arbeiteten jahrelang ganz umsonst als Gastärzte, um wenigstens den Hauch einer Chance auf eine Weiterbildung zu ergattern. Die offene Missachtung bestehender Arbeitszeitgesetze wurde als selbstverständlich vorausgesetzt. Nun fehlen Euch die Nachfolger für Eure Praxen. Krankenhäusern geht die Luft aus. Würden nicht die Patienten darunter leiden, so müsste man den damals wie heute Verantwortlichen zurufen: „Es sollte noch viel schlimmer kommen! Ihr habt es nicht anders verdient!“
Dr. med. Nico Prümmer, Pützhag 12, B-4730 Raeren, Belgien
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