ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Ärztemangel: Mangelnde Perspektiven nach der Weiterbildung

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Ärztemangel: Mangelnde Perspektiven nach der Weiterbildung

Dtsch Arztebl 2003; 100(44): A-2857

Kees, Helmut

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LNSLNS Wer glaubt, die Ursachen für den Ärztemangel nur in den schlechten Arbeitsbedingungen für junge Ärzte in den Kliniken suchen zu können, irrt.
Was potenzielle Studenten abhält und junge engagierte Ärzte in die Industrie, ins Ausland oder das Krankenhausmanagement treibt, ist auch die mangelnde Perspektive nach der Krankenhaus- und Facharztweiterbildungszeit!
Die früheren Ärztegenerationen, zu denen auch ich gehöre, hatten nach der „Durststrecke“ Krankenhaus wenigstens noch die Perspektive einer zwar anstrengenden, aber freien Tätigkeit als selbstausbeutender niedergelassener Arzt mit einem – dem enormen Aufwand wenigstens halbwegs angemessenen – Einkommen als Freiberufler.
Heute jedoch sehen die jungen Kollegen, was sie danach erwartet:
Die niedergelassenen Ärzte werden zu Geldeintreibern der Kassen (Praxisgebühr), zu Kopfgeldacquisiteuren für die Kassen (Risiko­struk­tur­aus­gleich – kombiniert mit Disease Management) und durch Zwangsfortbildung, Qualitätsmanagement etc. zu gegängelten Scheinselbstständigen degradiert. Freiberuflich ist nur noch die persönliche Übernahme des kompletten wirtschaftlichen Risikos unter sich ständig wandelnden Diktaten der Politik.
Zu allem Überfluss werden sie dann noch von Politikern, Gesundheitsökonomen und der Presse als inkompetente Beutelschneider verunglimpft. Wen wundert es also noch, dass Ärztemangel bei uns herrscht?
Dr. med. Helmut Kees, Kirschenweg 20, 72076 Tübingen
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