ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Kyphoplastie – Konzept zur Behandlung schmerzhafter Wirbelkörperbrüche: Methode noch nicht ausreichend evaluiert
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LNSLNS Nach einer Kyphoplastie eines gebrochenen Lendenwirbelkörpers kam es bei einer 66-jährigen Frau zu einer Spondylodiszitis über drei Bandscheibenfächer mit Ausbildung einer langstreckigen Spinalkanalenge. Im Verlauf einer anschließenden dreimonatigen stationären Behandlung entwickelte die Patientin zusätzlich eine schwere Pneumonie. Anschließend konnte sie sich nicht mehr selbstständig versorgen und musste in ein geriatrisches Pflegeheim verlegt werden.
Dieses Beispiel mag verdeutlichen, wie sehr das Verfahren der Kyphoplastie, das ja gerade eine schnelle Mobilisation verspricht, bei älteren Patienten mit Wirbelkörperfrakturen im Rahmen einer Osteoporose infrage zu stellen ist. Besonders bei dieser Patientengruppe fällt aus unserer Sicht das operative Risiko im Vergleich zu den relativ ungefährlichen aber nicht weniger wirksamen, konservativen Therapieansätze schwer ins Gewicht. In diesem Zusammenhang vermissen wir in der ansonsten recht ausgewogenen Darstellung durch Kasperk und Mitarbeiter eine klare Indikation des Verfahrens der Kyphoplastie. Die Autoren erwähnen, dass eine auf fünf Jahre angelegte kontrollierte prospektive Studie Anfang 2002 bereits begonnen habe, nennen aber keine klaren Ein- und Ausschlusskriterien, die die spätere Aussagekraft der Studie jedoch entscheidend mitbestimmen. Im Übrigen waren wir etwas verwundert darüber, dass schon beim Beginn einer Studie über ein neues Therapieverfahren im Deutschen Ärzteblatt berichtet wird, dessen Leser ja ansonsten gewohnt sind, über Standardverfahren informiert zu werden. Von einem solchen jedenfalls ist die Kyphoplastie noch weit entfernt, und vor einem unselektionierten Rekrutieren in die Studie können wir nur warnen. Doch darüber wissen die Autoren selbst am besten Bescheid, gab es doch bereits den Fall eines kompletten Querschnittssyndroms nach Kyphoplastie (Mitteilung der Autoren beim Osteologie-Kongress in Göttingen, März 2003). Entsprechend den Kriterien einer auf Evidenz basierenden Medizin sind vor Einführung der Kyphoplastie als standardisiertes Therapieverfahren randomisierte, kontrollierte und prospektive klinische Studien zur Beschreibung von Wirkungen und Nebenwirkungen zu fordern. Hierzu fehlt in dem Modell der Autoren neben den bereits angesprochenen Ein- und Ausschlusskriterien auch eine entsprechende Kontrollgruppe.

Dr. med. Michael Pfeifer
Prof. Dr. med. Helmut W. Minne
Klinik „Der Fürstenhof“ und Institut für klinische Osteologie
Am Hylligen Born 7, 31812 Bad Pyrmont
E-Mail: iko_pyrmont@t-online.de

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