ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Kyphoplastie – Konzept zur Behandlung schmerzhafter Wirbelkörperbrüche: Schlusswort
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wir sind auch der Meinung, dass kontrollierte und prospektive Studien erforderlich sind, um den Stellenwert eines Verfahrens valide beurteilen zu können. Im Rahmen unseres interdisziplinären Heidelberger Zentrums für Osteologie wird deshalb eine solche Studie durchgeführt, die den Nutzen und die Zweckmäßigkeit der Kyphoplastie hinsichtlich Schmerzerleichterung und Mobilität wissenschaftlich untersucht. Dank der einzigartigen Unterstützung durch die Klinikumsverwaltung konnten wir eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der Chirurgischen, Radiologischen und der Medizinischen Klinik realisieren. Ebenso wie die Kollegen würden wir eine kritische Überprüfung der Verordnungsusancen von Miedern und Korsetts im Rahmen einer kontrollierten Studie durch die Kostenträger begrüßen, um für den Patienten eine evidenzbasierte Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit einer Maßnahme sicherstellen zu können und eine mögliche durch das Patentrecht getriebene Therapiepraxis bei der Hilfsmittelverordnung zu erschweren.
Die Kyphoplastie ist tatsächlich ein mit Risiken behaftetes Verfahren, wie die Kollegen Pfeifer/Minne anhand des bei ihnen aufgetretenen Falles der 66-jährigen Frau eindrucksvoll belegen. Deshalb sollten die Kostenträger, aber auch die Fachgesellschaften sicherstellen, dass die Kyphoplastie nur in erfahrenen osteologischen Zentren praktiziert wird, die im Rahmen eines interdisziplinären Teams eine sorgfältige Indikationsstellung garantieren. So wurde im Heidelberger Zentrum für Osteologie unter Beteiligung der Chirurgischen, Radiologischen und der Medizinischen Universitätsklinik nach interdisziplinärer Einzelfalldiskussion in 864 Fällen bei nur 148 Patienten die Indikation zur Kyphoplastie gestellt. Bei den 148 Kyphoplastien gab es nur zwei klinisch relevante Komplikationen innerhalb der ersten neun durchgeführten Kyphoplastien (ein epidurales Hämatom nach 24 Stunden und eine Fehlpunktion mit bleibenden neurologischen Ausfällen). Seither haben wir keine klinisch relevanten Komplikationen mehr beobachtet. Bei den asymptomatischen Komplikationen (10 Prozent aller Fälle) handelt es sich um radiologisch nachweisbare Zementaustritte aus einem Wirbelkörper ohne klinische Konsequenz. Entscheidend für die Wertschätzung des Verfahrens ist nach einer interdisziplinären Indikationsstellung im Einzelfall der schmerzlindernde und mobilitätssteigernde Effekt der Kyphoplastie, der durch die klinisch asymptomatischen Zementaustritte nicht beeinträchtigt wird, wie die zur Publikation eingereichte Auswertung unserer kontrollierten prospektiven Studie belegt.

Priv.-Doz. Dr. med. Dr. med. dent. Christian Kasperk
Sektion Osteologie, Innere Medizin I
Universitätsklinik Heidelberg
Bergheimer Straße 58, 69115 Heidelberg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige