ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Diabetestherapie: Hoffnung auf innovative Antidiabetika

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Diabetestherapie: Hoffnung auf innovative Antidiabetika

Dtsch Arztebl 2003; 100(44): A-2889

Vetter, Christine

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LNSLNS Die Zahl der Diabetiker steigt weiterhin kontinuierlich an. Parallel dazu wird intensiv an der Entwicklung optimierter Therapiestrategien geforscht. Es mehren sich die Hinweise, dass schon bald völlig neuartige Antidiabetika verfügbar werden könnten. Diese zielen darauf ab, die Blutzuckerregulation zu optimieren und (besser als bisher) den Folgekomplikationen der diabetischen Stoffwechsellage vorzubeugen.
Als eine innovative Option stellte Dr. Michael Trautmann (Lilly, Hamburg) in Bremen den Wirkstoff Exenatide vor, der ursprünglich als Peptid Exendin-4 aus dem Speichel einer Echsenart in der Wüste Arizonas isoliert wurde und offenbar wie eine Art GLP-1-Analogon fungiert. Der Wirkstoff bindet an den GLP-1-(Glucagon-like-Peptid-1-)Rezeptor und verstärkt so das Signal zur Insulinsekretion.
Das geschieht glucoseabhängig, was nach Aussage von Trautmann Vorteile hat: „Exenatide verstärkt nur das Signal zur Insulinausschüttung, wenn dieses durch Glucose stimuliert wurde.“ Konkret bedeute dies, dass einerseits die Insulinsekretion durch Exenatide angekurbelt werde, andererseits aber Hypoglykämien nicht zu befürchten seien – ein Wirkprofil, das sich die Diabetologen schon lange wünschen.
„Sind die Blutzuckerspiegel hoch, wird die Insulinantwort stimuliert, sind sie jedoch niedrig, reduziert sich die Insulinreaktion“, so die Erklärung des Wissenschaftlers. In Phase-III-Studien werde derzeit getestet, ob eine zweimal tägliche Injektion des synthetisch hergestellten Exenatide bei Typ-2-Diabetikern den HbA1c-Spiegel nachhaltig senken kann. Denn im Unterschied zum physiologisch gebildeten GLP-1 verschwindet Exenatide nach Aussage Trautmanns nicht innerhalb kürzester Zeit wieder aus dem Plasma. Die ersten Studien belegen eine deutliche blutzuckersenkende Wirkung der neuen Substanz, die besonders ausgeprägt nach den Mahlzeiten ist. Parallel dazu zeige sich ein Abfall des HbA1c-Wertes um 0,8 Prozent.
Antidiabetikum hilft beim „Abspecken“
Gravierende Nebenwirkungen wurden, abgesehen von gastrointestinalen Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen in den ersten Wochen, nicht gesehen. Vielmehr scheint Exenatide bei Typ-2-Diabetes günstige Nebeneffekte zu vermitteln, was dadurch bedingt ist, dass GLP-1 auch an der Regulation der Magenentleerung, des Appetits und damit der Nahrungsaufnahme beteiligt ist. In den Studien wird entsprechend eine Reduktion der Nahrungsaufnahme und dadurch bedingt eine Reduktion des Körpergewichtes registriert, ein bei den meist übergewichtigen Typ-2-Diabetikern erwünschter Effekt.
Gleichzeitig komme es zu einer Zunahme der Betazellmasse unter dem GLP-1-Analogon, was andeute, dass möglicherweise auch eine verbesserte Betazellfunktion zu erwirken ist, erklärte Trautmann: „Wenn sich das bestätigt, hätten wir erstmals einen Wirkstoff, der die Progression des Diabetes zu stoppen vermag.“
Neben Exenatide wird bei Lilly ein zweiter Wirkstoff entwickelt, von dem sich die Wissenschaftler eine Optimierung der Diabetesbehandlung versprechen. Es handelt sich um Ruboxistaurin, einen Hemmstoff der Proteinkinase Cb (PK Cb), mit dem sich offenbar mikrovaskulären Komplikationen vorbeugen lässt. Erste in Bremen vorgestellte Studien belegen dies für die Retinopathie wie auch für die Neuropathie. Christine Vetter

Symposium „Diabetes und mehr . . . Interdisziplinäre Betrachtung der diabetologischen Folgeerkrankungen und deren Behandlung heute und morgen“ der Lilly Deutschland AG bei der 38. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Bremen
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