ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Schmerz- und Palliativmedizin: Zum Opioid gehört immer ein Laxans

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Schmerz- und Palliativmedizin: Zum Opioid gehört immer ein Laxans

Dtsch Arztebl 2003; 100(44): A-2890

Vetter, Christine

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LNSLNS Chronisch Schmerzkranke, denen ein Opioid verordnet wird, müssen immer vorsorglich mit Laxanzien versorgt werden. Es gibt nach Aussage von Prof. Eberhard Klaschik (Bonn) kein hochwirksames Opioid, das in der Dauertherapie nicht eine chronische Obstipation verursachen würde. Unbehandelt aber ist die Obstipation für die Patienten eine zusätzliche Belastung, die die Lebensqualität erheblich einschränkt. In der Palliativmedizin brauchen rund 90 Prozent der Patienten zur Symptomkontrolle ein Opioid. „Diese Patienten müssen wissen, dass es wichtig ist, ausreichend zu trinken, für eine faserreiche Kost zu sorgen und körperlich so weit als möglich aktiv zu bleiben“, sagte der Wissenschaftler. Auch müsse geprüft werden, ob noch andere obstipationsfördernde Medikamente eingenommen werden, die durch alternative Wirkstoffe ersetzt werden können
Nach Angabe von Klaschik ist in der Regel auch bei Schmerzpatienten unter hochpotenten Opioiden eine gezielte Behandlung mit einem Laxans erforderlich. Es empfehle sich das Vorgehen nach einem Stufenschema, wobei Macrogole das Mittel der ersten Wahl seien. Die Macrogole wirkten weniger drastisch als die salischen Laxanzien, und sie verursachten auch keine Elektrolytverschiebungen, die ihrerseits eine Obstipation begünstigen, erklärte Dr. Anton Gillessen (Münster). Eine Behandlung mit Füll- und Quellstoffen sei vor allem bei älteren Menschen nicht unproblematisch, weil diese oft zu wenig trinken. Eine ausreichende Flüssigkeitsmenge aber sei unerlässlich, da sonst die Wirksamkeit infrage gestellt sei, erhebliche Blähungen den Patienten plagen könnten und sogar ein Subileus provoziert werden könne.
Auch gegenüber Zuckern und Alkoholen seien die Macrogole zu bevorzugen, erklärte Gillessen. Sie würden im Darm nicht zersetzt und führten anders als die Zucker und Alkohole nicht zu einer vermehrten Gasbildung mit der Konsequenz von Flatulenz und Meteorismus. Vielmehr werde die Verdauung langsam und schonend gefördert, indem eine definierte Flüssigkeitsmenge in den Darm hinein transportiert und somit der Stuhl hydratisiert werde.
Präparate wie Isomol® sind inzwischen auch zur Dauertherapie der chronischen Obstipation zugelassen. Werden sie bei Patienten mit chronischen Schmerzen und Opioidgabe, bei Tumorpatienten oder bei solchen mit Magen-Darm-Erkrankungen verordnet, so ist die Therapie sogar erstattungsfähig.
Reicht Macrogol allein nicht aus, könne es mit Natriumpicosulfat oder einem Senna-Präparat kombiniert werden. In hartnäckigen Fällen könne zusätzlich Paraffin gegeben und gegebenenfalls mit Suppositorien oder einem Einlauf die Darmentleerung forciert werden. Christine Vetter

Pressekonferenz in Bonn: „Chronische Obstipation in der Schmerztherapie verhindern“, Veranstalter: Schwarz Pharma
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