ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Asset-Meltdown-Hypothese: Entwarnung für angehende Rentner

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Asset-Meltdown-Hypothese: Entwarnung für angehende Rentner

Dtsch Arztebl 2003; 100(44): A-2898

Flintrop, Jens

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LNSLNS Einer aktuellen Studie zufolge entwertet der demographische Wandel das Vorsorgekapital der Rentner weniger stark als befürchtet.

Das Gespent des „Asset Meltdown“ geistert durch die Gazetten. Die Hypothese: Die starke Generation der Babyboomer wird um 2020/2030 in Rente gehen. Um einen Teil ihres Alterskonsums zu finanzieren, wird sie in diesem Zeitraum ihre Vermögenswerte veräußern müssen. Weil es dann aber viele Verkäufer, aufgrund des Bevölkerungsrückgangs aber nur wenige Käufer geben wird, fällt der Preis von Aktien, Wertpapieren und Immobilien drastisch. Die Eigenvorsorge endet damit in einem finanziellen Desaster.
Überzogene Größenordnung
Eine aktuelle Untersuchung von Professor Dr. Axel Börsch-Supan, Direktor des Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel der Universität Mannheim, im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge widerlegt diese These. „Die Auswirkungen der Alterung auf das Kapitalvolumen sind zwar spürbar, aber sie bewegen sich in Größenordnungen, die das dramatisierende Schlagwort vom Asset Meltdown als weit überzogen erscheinen lassen“, gibt Börsch-Supan Entwarnung. Rein demographiebedingt prognostiziert der Experte eine Verringerung der gesamtwirtschaftlichen Kapitalrendite um „nur“ circa ein Prozent.
Die Verrentung der Babyboomer werde sich über rund 15 Jahre hinziehen, argumentiert Börsch-Supan. Entsprechend verteile sich ein möglicher Renditerückgang über einen langen Zeitraum und sei pro Jahr kaum spürbar. Bis 2050 würden zudem noch viele Arbeitnehmer eine neue kapitalgedeckte Altersvorsorge aufbauen und damit den Kapitalabzug der Babyboomer kompensieren.
Ein weiteres Argument gegen die „Asset-Meltdown“-Hypothese: Die alternde Gesellschaft mit im Jahr 2030 acht Millionen weniger Erwerbstätigen als heute benötige mehr Produktivkapital, um die benötigten Waren und Dienstleistungen zur Verfügung stellen zu können, ist sich Börsch-Supan sicher. Die Kapitalrendite für Anleger werde deshalb steigen. Darüber hinaus sei das konsumentenreiche, aber arbeitskräftearme Deutschland zunehmend darauf angewiesen, Produkte zu importieren, um den inländischen Konsumbedarf zu befriedigen. Dafür würden deutsche Anleger mehr denn je in kapitalarmen, aber jungen und arbeitskräftereichen Ländern investieren, in denen die Kapitalrenditen höher sind als im Inland, meint der Experte.
Neben einer konsequenten Liberalisierung des internationalen Kapitalverkehrs seien weitreichende Sozialreformen unaufschiebbar, betont Börsch-Supan. Eine rückläufige Zahl von Erwerbstätigen (heute: 56 Rentner pro 100 Erwerbstätige) müsse zukünftig fast doppelt so viele Rentner (2030: 80 bis 95 Rentner pro 100 Erwerbstätige) durch die umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme mitversorgen. Diese Last gelte es zu reduzieren, damit auch künftige Generationen noch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge betreiben können. JF
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