ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2003Investmentfonds: Im Wandel der Zeit

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Investmentfonds: Im Wandel der Zeit

Dtsch Arztebl 2003; 100(44): A-2899

Flintrop, Jens

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LNSLNS Um ihr Risiko zu streuen, schlossen sich britische Investoren im 19. Jahrhundert zusammen und verteilten ihre Gelder auf verschiedene Wertpapiere. 1868 wurde in Schottland der „Foreign & Colonial Government Trust“ aufgelegt: einer der ersten Wertpapierfonds.
Etwa zeitgleich gab es in den USA nach dem Bürgerkrieg einen gewaltigen Finanzbedarf, der Investoren aus Europa hohe Renditen versprach. Mit Investmentfonds sollten die Risiken des Forderungsausfalls reduziert werden. Die Fondsprodukte wurden in Großbritannien immer beliebter.
1894 wurde der erste US-Investmentfonds aufgelegt. Die große Zeit der US-Investmentindustrie kam aber erst nach dem Ersten Weltkrieg, als die europäischen Volkswirtschaften finanzielle Mittel für den Wiederaufbau benötigten. Bis in die 50er-Jahre hinein waren die US-Fonds auf US-Aktien fokussiert. Sir John Templeton legte 1954 mit dem „Templeton Growth Fund“ einen der ersten weltweit anlegenden Fonds auf. Er investierte vor allem in unterbewertete Aktien.
In Deutschland wurden die ersten Fonds 1923 durch den „Deutschen Kapitalverein“ aufgelegt. Allerdings überlebte dieser den Börsen-Crash 1929 nicht. Damit waren die Deutschen gebrannte Kinder. Erst 1949 wurde die älteste deutsche Investmentgesellschaft, die ADIG GmbH in München, gegründet. Es folgten die Gründung der Union-Invest der Privat- und Genossenschaftsbanken und der DWS als Tochter der Deutschen Bank. Zu Beginn der 80er-Jahre entdeckten ausländische Investmentgesellschaften zunehmend den deutschen Markt. Franklin Templeton ließ 1982 mit dem „Templeton Growth Fund“ den ersten ausländischen Fonds zum öffentlichen Vertrieb registrieren.
Mit dem Börsengang der Deutschen Telekom 1996 und der Einrichtung des Börsensegmentes „Neuer Markt“ begann der Börsenboom in Deutschland. Die Fondsanbieter reagierten auf die steigende Nachfrage nach technologieorientierten Titeln mit neuen Fonds, die sich auf bestimmte Sektoren und Investmentthemen konzentrierten. Anfang 2000 platzte die Blase. Vielen Branchenfonds wurde ihre Spezialisierung auf enge Teilsegmente des Aktienmarktes zum Verhängnis. Einige Fonds brachen dabei um bis zu 90 Prozent ein.
Der Einbruch an den Weltbörsen und die folgende Baisse führten zu einer Skepsis gegenüber Aktien und Investmentprodukten. Seit drei Jahren gehören deshalb Renten-, Immobilien- und Geldmarktfonds zu den gefragtesten Produkten. Beliebt sind auch „garantierte Geldanlagen“, bei denen zum Zeitpunkt der Fälligkeit das eingesetzte Kapital gesichert ist. JF
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