ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2003zu Schwarzgeldkonten: Arme Erben

VARIA: Schlusspunkt

zu Schwarzgeldkonten: Arme Erben

Dtsch Arztebl 2003; 100(45): [64]

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Was es nicht alles gibt. Bei einer der letzten Börsebius-Telefonberatungen, die übrigens dieses Wochenende wieder ansteht, beklagte ein Anrufer sein ganz persönliches Missgeschick. Er habe von seinem Vater ein Nummernkonto in der Schweiz geerbt, nebst reichlich bestücktem Aktiendepot. Von diesem Schätzlein habe der Fiskus bislang noch keine Lunte gerochen und er habe eigentlich auch nicht vor, den Wissensvorsprung preiszugeben.
Die Crux: Der Mann ist nicht Alleinerbe, sondern muss das schöne Schwarzgeld mit Geschwistern und der Mutter teilen. Ob die aber alle willens sind, gemeinschaftlich zu schweigen und die Hand aufzuhalten, bezweifelt der Fast-Krösus voller Misstrauen, zumal er seinen Schwager als ziemliche Schwatzbase ansieht, der schon beim nächsten Kneipenbesuch mit fünf Bieren in der Birne anfängt zu plappern und damit möglicherweise alle in die Pfanne haut.
Nicht lachen bitte, die Story ist doch ernst genug, und es ist alles wirklich so geschehen, wie ich es berichte. Da Ähnlichkeiten mit lebenden Lesern nicht auszuschließen sind, mag das Thema auch von allgemeinem Interesse sein, besonders die Frage, wie die Sache weitergegangen ist, zumal schwatzhafte Dritte wirklich zum Problem werden können.
Im konkreten Fall habe ich dringend geraten, den eigenen Steuerberater einzuschalten, weil mir eine individuelle Rechtsberatung nicht zusteht, dies hat der Anrufer denn auch sofort eingesehen. Soweit ich weiß, wurde das Depot aber auch nacherklärt. Die Legalisierung des Schwarzgeldes ist generell sowieso dringend geboten, so teuer es im Einzelfall durch Nachversteuerung et cetera auch kommen mag. Alles andere führt nur in Teufels Küche.
Eine Erbengemeinschaft, die sich nicht steuerehrlich verhält, wird automatisch zur Hinterziehergemeinschaft. Und so stabil sind Blutsbande weiß Gott nicht, dass einer der Erben nicht ausscherte oder möglicherweise die Nerven verlöre. Ganz bitter kann es kommen, wenn einer „heimlich“ dem Fiskus beichtet (Selbstanzeige) und dann straffrei ausgeht. Den anderen Erben wird dieser Weg exakt durch diese „Tat“ verwehrt, und sie haben happige Strafen zu bezahlen bis hin zum Makel, vorbestraft zu sein. Das nächste Familienfest wird dann sicher eine lustige Angelegenheit.
Bei einer – dringend gebotenen – Nacherklärung durch die Erbengemeinschaft werden auf zehn Jahre zurückgerechnet Einkommensteuer fällig, unter Umständen Gewerbe- sowie Umsatzsteuer, Erbschaftsteuer und schließlich noch die Hinterziehungszinsen. So kann aus einem großen Erbe schnell ein kleines werden. Dennoch ist dieser Weg allemal besser, als einem Verwandten mit schlechtem Gewissen und dessen Reueschub ausgeliefert zu sein. Familienzoff über Generationen und trotzdem zahlen sind nicht wirklich eine Alternative.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema