ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 5/2003Gesundheitsreform: Auswirkungen auf die Praxis-EDV

Supplement: Praxis Computer

Gesundheitsreform: Auswirkungen auf die Praxis-EDV

Dtsch Arztebl 2003; 100(45): [2]

Krüger-Brand, Heike E.

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Die mit der Gesundheitsreform angestrebten strukturellen Veränderungen werden sich auch auf den EDV-Einsatz bei den niedergelassenen Ärzten auswirken.
Das Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV), das zum 1. Januar 2004 in Kraft tritt, wird zu einer Reihe von Veränderungen in der vertragsärztlichen Versorgung führen und entsprechende Anpassungen und Weiterentwicklungen der Praxis-EDV-Systeme erfordern. Das stellte der Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. jur. Rainer Hess, beim 10. KBV-Anbietermeeting in Köln fest. Die EDV-Anbieter werden danach künftig nicht nur mit den kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zu tun haben, sondern auch mit anderen Einrichtungen, die zum Beispiel an der integrierten Versorgung teilnehmen oder sich an Disease-Management-Programmen beteiligen. Nach Hess entsteht durch die Einführung des neuen Abrechnungssystems G-DRG (German Diagnosis Related Groups) in den Krankenhäusern ein Schnittstellenbereich zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor mit großen Strukturveränderungen. So gibt es viele Fallpauschalen, die auf den stationären Aufenthalt von einem Tag bezogen sind. Das heißt, der Patient wird möglichst früh in den ambulanten Bereich übergeben. Einige Krankenhäuser versuchen daher, mit einigen niedergelassenen Ärzten fest zusammenzuarbeiten. Neue Kommunikations- und Vernetzungsanforderungen sind die Folge.
Auch das Modell der hausarztzentrierten Versorgung (§ 73 b GKV-Modernisierungsgesetz), in das sich die Versicherten für mindestens ein Jahr einschreiben können, wird zu strukturellen Veränderungen führen. Hierbei können die Krankenkassen Verträge mit besonders qualifizierten Hausärzten schließen oder mit zugelassenen Versorgungszentren, in denen angestellte Ärzte arbeiten. Die Versorgungszentren sollen eine eigene Arztnummer erhalten, über die sie abrechnen werden. Wie die EDV-gestützte Abrechnung in diesen Fällen konkret aussehen wird, ist jedoch noch unklar. Denkbar sei, dass die Abrechnungsdaten direkt an die Krankenkassen übermittelt würden, meinte Heinz-Theo Rey, Leiter des IT-Bereichs der KBV. Ob dafür die ADT- oder eine andere Schnittstelle genutzt werden soll, sei aber noch offen.
Nach § 295 Abs. 4 des Gesetzentwurfs müssen künftig alle an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte elektronisch abrechnen. Davon betroffen sind rund 20 000 Ärzte und Psychotherapeuten, die bislang noch keine Praxis-EDV einsetzen. In der Regel betreffe dies kleine Praxen, für die ein Einzelplatzsystem ausreiche, so Rey. Über eine Übergangsfrist und mögliche Härtefallregelungen werde noch entschieden.
Neue ICD-10-Version
Die zurzeit getrennten ICD-10-Versionen für den ambulanten und den stationären Bereich werden 2004 zu einer gemeinsamen Version, der ICD-10-GM („German Modification“) zusammengeführt. Gleichzeitig wird es auch einen neuen ICD-10-Diagnosenthesaurus als zugehöriges alphabetisches Verzeichnis geben. Die Verzeichnisse erhalten eine einheitliche Versionsnummer, die jeweils der Jahreszahl des ersten Gültigkeitsjahres entspricht (also ICD-10-GM 2004). Die ICD-10-Kodierung wird künftig für die Honorarabrechnung der Vertragsärzte wichtig, weil sie in Kombination mit den Gebührenziffern die Grundlage zur Ermittlung der arztgruppenbezogenen Regelleistungsvolumina bildet. Diese sollen ab 2007 gelten und sehen für eine vorher vereinbarte Leistungsmenge feste Punktwerte vor.
Weitere Änderungen betreffen die Erhebung einer Praxisgebühr, die der Versicherte nach dem Willen des Gesetzgebers direkt beim Arzt zahlen wird und für die gegebenenfalls ein EDV-gestütztes Mahnwesen erforderlich ist.
Auch die nach § 305 GKV-Modernisierungsgesetz vorgesehene Ausstellung einer schriftlichen Patientenquittung mit Leistungs- und Kostennachweis, die der Patient entweder als Tages- oder als Quartalsquittung erhält, kann EDV-gestützt umgesetzt werden. Die Quartalsquittung erfordert eine Vereinbarung mit dem Patienten über die Aufwandspauschale und die Versandkosten sowie den Aufbau eines Inkassoverfahrens.
Die XML-Schnittstellenentwicklung im Rahmen der Disease-Management-Programme schreitet voran. Die vertraglichen Regelungen zwischen der KBV und den Krankenkassen sehen vor, dass die KBV die technischen Vorgaben für die Schnittstellendefinition übernimmt und die Kassen Vorgaben für die Plausibilität der Datensätze entwickeln. Die Definition eines XML-Datensatzes für die elektronische Dokumentation des DMP Diabetes mellitus Typ 2 liegt vor. Anfang 2004 soll die XML-basierte elektronische Dokumentation für das DMP Brustkrebs folgen – die Klärung der Plausibilitätsregeln für dieses DMP ist aber noch nicht abgeschlossen.
Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und – damit einhergehend – die Einführung des elektronischen Heilberufsausweises zum 1. Januar 2006 erfordern ebenfalls EDV-technische Vorbereitungen, wie die Einführung und Anbindung zertifizierter multifunktionaler Lesegeräte in den Arztpraxen. Finanzierungsmodelle hierfür gibt es noch nicht. Heike E. Krüger-Brand
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