ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2003Patientenverband: Panikmache

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Patientenverband: Panikmache

Dtsch Arztebl 2003; 100(45): A-2905 / B-2405 / C-2261

Rabbata, Samir

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LNSLNS Der Herbst – und mit ihm Erkältungen und Grippewellen – sorgt seit jeher für volle Arztpraxen. In diesem Jahr aber verschärft die zum 1. Januar 2004 in Kraft tretende Gesundheitsreform das Gedrängel in den Warteräumen. Der Grund: Aus (teils berechtigter) Sorge, für Gesundheitsleistungen künftig mehr bezahlen zu müssen, wird mancher nicht akut nötige Arztbesuch noch in das laufende Quartal verlegt. Das Nachsehen können dabei dringend Behandlungsbedürftige haben, die mitunter lange warten müssen. Auf den ersten Blick scheint es da vernünftig, dass etwa die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) Kranke auffordert, sich rechtzeitig um einen Termin zu kümmern. Unverständlich ist dagegen, dass DGVP-Chef Ekkehard Bahlo dies damit begründet, bis zu 20 Prozent aller Arztpraxen könnten wegen ausgeschöpfter Budgets ihre Patienten im Dezember abweisen. Einige Ärzte machten zum Jahresende ihre Praxen zu, andere vertrösteten ihre Patienten aufs nächste Jahr, so Bahlo weiter.
Den Patienten nützen dürften diese düsteren Szenarien kaum, wird doch durch sie der ohne Zweifel vorhandene Budgetdruck auf die Ärzte keinen Deut gemildert. Dagegen ist zu erwarten, dass Patienten unnötig verunsichert werden. Schon meldet etwa der Stern in seiner Internetausgabe: „Ärzte wollen Patienten abweisen“, und die Bild-Zeitung warnt: „Millionen Patienten droht Abweisung“. Für die Kassenärztliche Bundesvereinigung ist dies pure „Panikmache“. Denn kein Arzt könne notwendige Behandlungen ablehnen. Sollten Ärzte Ende des Jahres im Urlaub sein, gäbe es Vertreterlösungen, heißt es dort. Zur Besonnenheit mahnen auch Verbraucherschützer, Krankenkassen und das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium. Gleichwohl warnt die Ärzteschaft seit langem davor, dass die Praxisbudgets viel zu knapp bemessen seien. Sie würden insbesondere der hohen Zahl älterer und chronisch kranker Patienten nicht gerecht. Weniger Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhält dabei die Tatsache, dass die Ärzte dringende Behandlungsfälle nicht abweisen. Samir Rabbata
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