ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2003HIV-Vakzine: Erster klinischer Test in Deutschland

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HIV-Vakzine: Erster klinischer Test in Deutschland

Dtsch Arztebl 2003; 100(45): A-2909 / B-2409 / C-2265

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Erstmals wird nun auch in Deutschland eine präventive HIV-Vakzine getestet werden. Wenn die Genehmigung rechtzeitig eintreffe, werde noch in diesem Jahr der klinische Versuch in Hamburg und Bonn anlaufen, erklärte der Präsident des Robert Koch-Institutes, Prof. Dr. med. Reinhard Kurth, bei der Konferenz „Impfstoffentwicklung und innovative Therapiekonzepte bei HIV/Aids“ in Berlin. Bei dem Impfstoffkandidaten handelt es sich um ein attenuiertes, rekombinantes Vakzinia-Virus (NYVAC), das mit den Genen gag, pol, nef und env vom HIV-1-Subtyp-C ausgestattet worden ist. In London und Lausanne ist die Prüfung dieses Impfstoffs bereits im Juli angelaufen. Große Hoffnungen auf den baldigen Einsatz der Vakzine will Kurth jedoch nicht wecken. Noch keine klinische Prüfung habe bisher einen durchbrechenden Erfolg erzielt. Erst kürzlich sei eine Wirksamkeitsstudie in Thailand mit 5 000 Freiwilligen gescheitert.

Weltweit befinden sich zwölf Impfstoffkandidaten im klinischen Versuch. Unterstützt wird ihre gleichzeitige Testung von der 1996 gegründeten International Aids Vaccine Initiative (IAVI). Ziel der internationalen gemeinnützigen Organisation ist es, die Entwicklung eines Aids-Impfstoffes zu beschleunigen und diesen den Entwicklungsländern zur Verfügung zu stellen. Dazu fördert IAVI Partnerschaften zwischen der öffentlichen Hand und privaten Unternehmen gegen die Zusage, dass ein entwickelter Impfstoff den Ländern rasch und zu erschwinglichen Preisen angeboten wird. Bisher sei kein Impfstoff jemals gleichzeitig in Industrie- und Entwicklungsländern eingeführt worden, sagte Frans van den Boom, Europäischer Direktor von IAVI (Amsterdam). Stattdessen warteten Entwicklungsländer im Durchschnitt 20 Jahre länger. Dies sei bei Impfstoffen immer bedauerlich, hinsichtlich der weltweiten Bedeutung von HIV besonders gravierend.

Um Deutschland stärker in das internationale Bemühen um die Entwicklung eines Aids-Impfstoffs einzubeziehen, hatte die IAVI zu der Tagung in Berlin aufgerufen. Die Teilnehmer beklagten, dass dieser Forschungsbereich in Europa – vor allem aber in Deutschland – keine Priorität bei der staatlichen Förderung mehr hat.
Dr. med. Eva A. Richter-Kuhlmann
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