ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 5/2003EKG-Auswertung: PC-basierte Zeitserienanalyse

Supplement: Praxis Computer

EKG-Auswertung: PC-basierte Zeitserienanalyse

Dtsch Arztebl 2003; 100(45): [10]

Fleck-Vetter, Michael

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LNSLNS Die Aussagekraft eines Ruhe-EKGs ist eingeschränkt. Eine Steigerung der diagnostischen Wertigkeit kann durch Varianten der EKG-Ableitungen, durch Belastungsuntersuchungen und durch den Vergleich der EKG-Kurven in zeitlichen Intervallen erreicht werden. Verlaufsbeobachtungen von elektrokardiographischen Parametern werden bisher in der Regel nur durch den visuellen Vergleich der nebeneinander gelegten EKG-Kurven durchgeführt. Diese vergleichende Blickdiagnose unterliegt großen Unsicherheiten, bedingt durch Tagesform, Vigilanz und Ausbildungsstand des Auswerters und durch die Artefaktbelastung der EKG-Kurven. Anhand eines Fallbeispiels wird ein Verfahren vorgestellt, bei dem mit einer PC-basierten EKG-Zeitserienanalyse befundrelevante Veränderungen – trotz nur diskreter Ausprägung – unmittelbar und mit hoher Erkennungssicherheit diagnostiziert werden konnten.
Dabei werden, vereinfacht gesagt, bekannte EKG-Kurven mit den neu zu befundenden EKG-Kurven zum besseren Vergleich visuell „übereinander gelegt“. Dies geschieht durch mathematische Mittelung, Ausrichtung in einem definierten Raster an der Null-Linie, präzise Justierung der QRS-Komplexe übereinander, Markierung der Wellengrenzen, farbliche Unterscheidung der Kurven und Zoomfunktion. Durch das Verfahren kann der Auswerter sofort, das heißt ohne Zeit- und Befundungsaufwand, relevante morphologische Veränderungen zwischen Bezugs-und aktuellem EKG erkennen und quantifizieren, insbesondere auch dann, wenn diese Veränderungen nur diskret sind oder die visuelle Auswertung der EKG-Kurven durch Muskelartefakte, Netzbrummen und Basisliniendrift erschwert ist.
Michael Fleck-Vetter
Informationen: Dr. med. Michael Fleck-Vetter, Baden-Baden, Informationen im Internet unter www.pcekg.com


Fallbeispiel
Der Patient, 65 Jahre, männlich, kommt am 2. 2. 2000 mit unspezifischen Beschwerden, die er als Sodbrennen beschreibt, in die Sprechstunde. Es wird ein Ruhe-EKG abgeleitet und anschließend mit einem bereits vorhandenen EKG vom 6. 10. 1999 verglichen (Abbildung 1): Beim Zeitserienvergleich einzelner Ableitungen erkennt man lediglich in Ableitung III und nur bei starker Vergrößerung diskrete Veränderungen im Sinne einer T-Negativierung. Das Labor war unauffällig. Es wurde ein Kontrolltermin am nächsten Tag vereinbart.
Am nächsten Tag wurde, bei relativer Beschwerdefreiheit, wieder ein Ruhe-EKG abgeleitet und mit den beiden vorhandenen EKGs vom 6. 10. 1999 und vom 2. 2. 2000 verglichen (Abbildung 2): Man sieht in Ableitung III bei starker Vergrößerung (siehe die Größe der 1-Millivolt Eichzacke am linken Rand), deutlich die Veränderungen im Sinne einer ST-Hebung mit ST-T-Welle-Verschmelzung (T-en-dôme).
Die Zyklus-Vermessung mit Zoomfunktion zeigt eine ST-Hebung von lediglich 64 Microvolt, also nur 0,064 Millivolt, entsprechend ungefähr ½ Millimeterkästchen (Abbildung 3). Solche diskreten EKG-Veränderungen können bei herkömmlichen mechanischen Schreibern in der Regel kaum erkannt werden, da schon die Breite zum Beispiel eines Thermokamm-Ausschriebes einer Amplitudenhöhe von ungefähr 20 Microvolt entspricht.
Der Patient wurde mit Verdacht auf akuten Hinterwandinfarkt in die Klinik eingewiesen. Dort wurde am 4. 02. 2000 ein intramuraler Hinterwandinfarkt bestätigt und eine STENT-Implantation der RCA im Segment 2 und 3 durchgeführt. Zehn Tage später wurde der Patient zur ambulanten Weiterbehandlung entlassen.
Bei der weiteren Verlaufsbeobachtung ließen sich, erneut per EKG-Zeitserienanalyse, beinah lehrbuchmäßig sämtliche Stadien des Infarktes darstellen (Kasten).
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