ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1996„Medizin„ Schach – bitte 3 x täglich

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„Medizin„ Schach – bitte 3 x täglich

Dtsch Arztebl 1996; 93(6): [40]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Die DAK hatte vor geraumer Zeit auf dem Titelblatt ihrer Zeitschrift Schachspieler am Brett mit der Unterschrift "Besser denken, schneller reagieren" abgebildet. Es stimmt allerdings nicht, daß die DAK auf diese Idee bei der letzten Deutschen Ärztemeisterschaft in Wiesbaden vor einem Jahr kam, als der 75jährige Dr. Eckstein beim Luftschnappen vor den Kurhauskolonnaden von einem Kollegen gefragt wurde, ob er Feuer habe. "Nur im Herzen. Nicht das, was Sie brauchen", lautete die schlagfertige Antwort. Noch ein Blick zurück nach Wiesbaden 1995, etwa zum 83jährigen Dr. Faulhaber, der als "Wiederholungstäter" immer wieder gerne kommt. Und wie! Dr. Dorow aus Stuttgart, der in russischer Kriegsgefangenschaft Schachprobleme auf Zeitungspapier aufmalte, war gar schon 86 Jahre alt; er kam allerdings nur zum "Kiebitzen". Alle drei paraphrasieren herrlich den Schachmeister Jaques Mieses. Als dieser bei einem Turnier in Schweden mit 83 Jahren gegen einen 84jährigen holländischen Gegner gewann, meinte er: "Die Jugend hat gesiegt!" und weiter: "Die meisten Menschen sterben zwischen 70 und 80 Jahren. Dieses gefährliche Alter habe ich hinter mir." Wie sagt doch der rumänische Schriftsteller Sadoveanu: "Weil auch das Schachspiel eine Medizin ist, allerheiligster Vater!" Das war sie vor Jahren, wenn auch in einem etwas anderen Sinne, auch für einen schachspielenden Kollegen. Bei einer vorbestehenden Kardiomyopathie ereilte ihn dabei, übrigens in Gewinnstellung, ein Kammerflimmern. Gott sei Dank war sein Gegenüber, wie so oft, Dr. med. Kleine-Katthöfer; nach 45minütiger Reanimation war auch der Überlebenskampf gewonnen, bis heute geht es gut. Medizin ist und war Schach auch immer für Viktor Kortschnoi, der trotz seiner 64 Jahre immer noch mit der Weltspitze mithalten kann. Bei einem kürzlichen Schnellschachturnier in Wien dachte er besser und reagierte schneller als sein 27 Jahre junger bosnischer Widersacher Sokolov.
Sehen Sie, mit welch raffiniertem Zug Kortschnoi als Weißer am Zug seinen Gegner zur Aufgabe zwang?


Lösung:
Nach Kortschnois überraschendem 1. Ta1! gab Schwarz auf. Nimmt er mit 1. ...Txb6 die weiße Dame, so wird er nach 2. Txa8+ mattgesetzt (der schwarze König hat kein Luftloch – "Was ist der Mensch ohne Ventil?!" pflegte Dr. med. Siegbert Tarrasch zu sagen). In jedem Fall verliert Schwarz seine eingeklemmte Dame.

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