ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 5/2003Duocard-System: Karte plus Datenträger

Supplement: Praxis Computer

Duocard-System: Karte plus Datenträger

Dtsch Arztebl 2003; 100(45): [20]

Rost, Dietrich

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Das Duocard-System besteht aus Chipkarte und MOD.Foto: Rimec GmbH
Das Duocard-System besteht aus Chipkarte und MOD.
Foto: Rimec GmbH
In Nürnberg erprobt ein Pilotprojekt die elektronische Patientenakte in der Hand des Patienten.
Am Duocard-Projekt in Nürnberg beteiligen sich zurzeit rund 800 Patienten und zwölf Ärzte, darunter vier Allgemeinärzte und acht Fachärzte aus den Bereichen Radiologie, Urologie, Orthopädie und Innere Medizin mit Kardiologie und Nephrologie. Das Projekt wurde im April 2003 gestartet. Technische Grundlage ist das Duocard-System: Dabei handelt es sich um eine Verschlüsselungs- und Signatur-Einheit, mit der medizinische Patientendaten (Arztbriefe, Röntgenbilder, EKGs und andere) auf magneto-optischen Datenträgern (MOD) gespeichert werden können. Die Lösung besteht aus einer mit einem Kryptoprozessor ausgestatteten Chipkarte als Zugangsschlüssel und der MOD als Speichermedium, auf dem die Patientendaten verschlüsselt abgelegt werden.
Die Duocard wird bei einer Überweisung eines Patienten von einer Allgemeinarzt- in eine Facharztpraxis ausgegeben. Wenn der Patient mit einer Duocard ausgestattet werden will, wird diese personalisiert: Der Arzt hinterlegt auf der MOD – verschlüsselt mit der Patientenchipkarte – den Namen des Patienten, dessen Geburtsdatum und Geschlecht. Nach der Übertragung wichtiger medizinischer Daten aus der Patientenkartei auf den Datenträger erhält der Patient seine Chipkarte und die MOD mit dem verschlüsselten Datensatz. Der Arzt benötigt für diesen Vorgang lediglich eine „Duocard-Box“ – einen handelsüblichen Rechner mit Festplatte und MOD-Laufwerk, auf dem die Systemsoftware installiert ist und der an die Praxis-EDV angeschlossen werden kann, sowie ein externes Chipkartenlaufwerk.
In der Regel werden auf die Duocard relevante anamnestische Daten kopiert, etwa Krankenhaus- oder Facharztberichte, Medikamentenpläne und Labordaten. Vorteilhaft ist dabei, wenn der Arzt bereits über eine elektronische Patientenkartei verfügt, damit er aus den Akten heraus wichtige Daten schnell auf die Duocard kopieren kann. Wenn die Helferin beispielsweise sämtliche eingehenden Krankenhaus- und Facharztberichte routinemäßig in die jeweilige elektronische Patientenakte einscannt, stehen diese direkt elektronisch zur Verfügung. Für das Kopieren auf die MOD speichert der Arzt die Berichte aus der elektronischen Karteikarte in der Zwischenablage ab und fügt sie in das Duocard-Speichermedium ein. Der Medikamentenplan und die Laborwerte lassen sich von der elektronischen Patientenkartei der Praxissoftware per Bildschirmdruck übernehmen.
Darüber hinaus kann der Arzt auf einem elektronischen „post-it-Zettel“ eine kurze Nachricht an den Facharzt hinterlassen, vergleichbar einem Überweisungsbegleitbrief. Durch die Gestaltung als gelber Notizzettel wird bereits äußerlich betont, dass eine stichpunktartige Informationsübermittlung genügt. In der Regel wird darin der Grund für die Überweisung näher erläutert.
Integriert ist auch eine „Cave“-Liste – ein farblich auffallender Hinweis auf medizinische Gefahren, zum Beispiel Intubationshindernis, Marcumarprophylaxe, bekannte Medikamentenunverträglichkeit und Ähnliches.
Mehr Informationen für den Facharzt
Beim Facharztkontakt händigt der Patient seinem Arzt die Duocard aus, sodass dieser sich rasch über früher durchgeführte Untersuchungen, Befunde und Ähnliches informieren kann. Über den Nachrichtenzettel erhält er auch eine Kurzinformation zum Überweisungsanlass. Im weiteren Verlauf können dann – je nach elektronischer Ausstattung der Facharztpraxis – dort erhobene Befunde auf die Duocard kopiert werden, zum Beispiel Röntgenbilder beim Orthopäden, Computertomographien beim Radiologen und EKGs beim Kardiologen.
Bei der letzten Ärztebesprechung wurde angeregt, das Duocard-System auch für das Qualitätsmanagement einzusetzen: Dann könnten die Anwender bedarfsweise Module abrufen, die zum Beispiel dem Diabetes-Pass oder einem Tumornachsorgekalender entsprechen. Diese Module sollen an bestimmte Untersuchungen erinnern und kurz deren Ergebnis dokumentieren. Zusätzlich wurde die Aufnahme einer Rubrik „anamnestische Daten“ in die Duocard diskutiert; allerdings wäre das Ausfüllen einer solchen Spalte zeitaufwendig.
Verbesserung der Kommunikation
Der Vorteil des Systems liegt beim Allgemeinarzt darin, dass er nicht nur Textbefunde über durchgeführte Untersuchungen erhält, sondern auch das dazugehörende Bild. Dies verbessert einerseits den Informationswert deutlich; andererseits kann der Allgemeinarzt durch den Einsatz der Duocard das Gespräch mit dem Patienten kompetenter, anschaulicher und einprägsamer gestalten. Der Facharzt profitiert durch die schnellere Informationsbeschaffung. Außerdem kann er auch gezielter auf die Fragestellung des Allgemeinarztes eingehen. Das Duocard-System trägt deshalb dazu bei, die Kommunikation zwischen den beteiligten Allgemein- und Fachärzten sowie zwischen Ärzten und Patienten deutlich zu verbessern.
Die Verwendung der Duocard bedeutet allerdings für die beteiligten Ärzte auch einen Zeitaufwand, der bislang nicht vergütet wird. Insbesondere die Erstausstattung eines Patienten mit dem System erfordert einen Zeitaufwand, der honoriert werden müsste.
Die Patienten nehmen die Duocard gut an. Sie schätzen vor allem die Möglichkeit, über wichtige medizinische Befunde selbst verfügen zu können. In diesem Zusammenhang äußern sie häufiger den Wunsch, ihre Daten auch selbst zu Hause einsehen zu können.
Dietrich Rost
Kontaktadresse: Dr. med. Dietrich Rost, Niebüller Straße 19, 90425 Nürnberg, E-Mail: rost-@t-online.de
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