ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2003Anämiebehandlung kann Krebsprognose verschlechtern

MEDIZIN: Referiert

Anämiebehandlung kann Krebsprognose verschlechtern

Dtsch Arztebl 2003; 100(45): A-2962 / B-2457 / C-2306

Seger, Gabriele

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LNSLNS Ob die Behandlung einer Anämie mit Erythropoietin (Epoetin beta) bei Patienten, die an Krebs erkrankt sind, sinnvoll ist, stellen die Autoren einer europäischen Studie infrage. Die Resultate der Untersuchung deuten nach Ansicht von Michael Henke et al. vielmehr darauf hin, dass es für Anämiepatienten im Hinblick auf eine reduzierte Progression der Krebserkrankung und einer erhöhten Überlebenschance besser ist, wenn die Anämie zum Zeitpunkt der Krebstherapie nicht behandelt wird. Eine Anämie ist insbesondere bei Patienten, die eine Strahlentherapie erhalten, mit einer schlechten Krebskontrolle assoziiert. Die Wissenschaftler untersuchten daher, ob die Behandlung der Anämie mit Epoetin beta die Ergebnisse einer kurativen Strahlentherapie bei Patienten mit Tumoren im Kopf- und Nackenbereich verbessern kann. In der multizentrischen Studie, an der 351 Pobanden aus Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz teilnahmen, bekamen die Patienten über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen vor einer Strahlentherapie randomisiert entweder Epoetin beta oder ein Placebo. Zwar konnte durch die Gabe von Epoetin beta die Anämie über eine Erhöhung der Hämoglobinkonzentration wirkungsvoll behandelt werden, die Patienten der Placebogruppe zeigten jedoch eine um etwa 60 Prozent höhere Überlebenschance ohne Progression der Krebserkrankung. Obwohl mit Epoetin beta bei Patienten, die sich einer kurativen Strahlentherapie unterziehen, die Anämie effektiv behandelt werden könne, kommentiert Michael Henke, sei diese Behandlung nicht mit einer verbesserten Krebskontrolle oder höheren Überlebenschancen assoziiert. Bei Bestrahlung eines manifesten Tumors könne Erythropoietin sogar die Kontrolle der Krebserkrankung behindern. Zukünftige Erythropoietin-Studien sollten daher sorgfältig die Krebskontrolle, die Überlebenswahrscheinlichkeit und zudem den Mechanismus des klinisch relevanten Hämoglobineffektes untersuchen. Se

Henke M, Laszig R, Rübe Ch et al.: Erythropoietin to treat head and neck cancer patients with anaemia undergoing radiotherapy: randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet 2003; 362: 1255–1260.

Dr. Michael Henke, Abteilung Strahlenheilkunde der Radiologischen Universitätsklinik, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Hugstetter Straße 55, 79106 Freiburg, Deutschland, E-Mail: henke@uni-freiburg. de

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