ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2003Psychotherapie bei körperlichen Erkrankungen: Chancen nutzen

EDITORIAL

Psychotherapie bei körperlichen Erkrankungen: Chancen nutzen

PP 2, Ausgabe November 2003, Seite 481

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Zukunft der Psychotherapie in einer integrierten Gesundheitsversorgung – so das Thema des 1. Landespsychotherapeutentages NRW in Neuss – hängt im Wesentlichen vom Engagement der Psychotherapeuten selbst ab. Im Rahmen der verstärkt geförderten Integrierten Versorgung nach § 140 a–h SGB V der Gesundheitsreform, als auch innerhalb von Disease-Management-Programmen (DMP) können Psychologische Psychotherapeuten künftig aktiver werden. Um die psychosoziale Versorgung von Patientinnen mit Brustkrebs zu verbessern, verhandelt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) beispielsweise zurzeit mit den Krankenkassen über die Aufnahme eines psychoonkologischen Behandlungsmoduls in das DMP-Brustkrebs (siehe Nachricht in diesem Heft). Hierfür würden psychoonkologisch fortgebildete Psychotherapeuten benötigt, die die Patientinnen versorgen, die eine psychotherapeutische Begleitung brauchen – und dies auch wünschen. Parallel zu den bereits existierenden DMP-Brustkrebs-Strukturen plant das Land Nordrhein-Westfalen innerhalb der „Konzertierten Aktion gegen Brustkrebs“, 50 Brustzentren zu zertifizieren, die auch eine psychoonkologische Betreuung gewährleisten müssen und ihre Leistungen in einem Netz mit niedergelassenen Ärzten oder Psychologen erbringen sollen. Langfristig sollen diese Initiativen zur besseren Versorgung von Brustkrebspatientinnen zusammengeführt werden, erklärt Ulrich Wiering, Referent für gesundheitspolitische Grundsatzfragen der KVNo.
Für die psychoonkologische Begleitung oder begleitende Psychotherapie der betroffenen Frauen werden bald „händeringend“ Psychotherapeuten gesucht, die entsprechend fortgebildet sind und nach überprüfbaren evidenzbasierten Leitlinien arbeiten. Dessen ist sich Dr. Michael Kusch, Abteilung für Psychoonkologie am Klinikum Herford, sicher. Kusch gehört der von der Psychotherapeutenkammer geleiteten Arbeitsgruppe „Psychoonkologische Versorgung“ in der Konzertierten Aktion an. Er stellte ein Konzept für ein psychosoziales Screening vor. So könnten rechtzeitig die Brustkrebs-Patientinnen entdeckt werden, die psychosoziale Maßnahmen benötigen oder eben eine begleitende Psychotherapie. Kusch schätzt den Bedarf an Letzterem auf 20 bis 30 Prozent.
Doch warum sollte sich ein Niedergelassener mit langer Warteliste für Richtlinienpsychotherapie die zusätzliche Arbeit auferlegen? „Weil dieses Berufsfeld von der Gesellschaft besser akzeptiert wird“, sagt Kusch. Er hat Recht: Psychotherapeuten könnten sich mit der Begleitung von chronisch Kranken mehr Anerkennung und somit mehr Gehör verschaffen. Sie könnten dem hartnäckigen Vorurteil entgegentreten, nur Befindlichkeitsstörungen oder Selbstfindungskrisen zu beheben.
Petra Bühring
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